Gelenkzyste am Finger (Mukoidzyste) – Sulfur

9.05.2019

Frau H., eine 61-jährige Patientin, hat seit zwei Monaten eine Gelenkzyste am Finger und kommt im Januar 2019 zu mir in Behandlung. Der behandelnde Dermatologe empfiehlt die operative Entfernung der Zyste. Das möchte sie aber wenn möglich nicht.

Am Endgelenk des rechten Mittelfingers bildet sich immer wieder eine große Blase. Sobald sich die Blase füllt hat sie das Empfinden, „als ist da was drin, wie ein kleiner ‚Spreisel‘ (Splitter)“. Wenn sie dann daran knibbelt und darauf drückt, dann entsteht eine richtige Blase. Die Blase „piekst“ dann, „wie Nadelstiche“. Sobald die Blase prall gefüllt ist entleert sich auf Druck eine gallertartige Flüssigkeit und die Schmerzen, das Stechen verschwinden.

Außerdem leidet Frau H. seit vielen Jahren an Hitzewallungen, zwei, drei Mal nachts und besonders morgens nach dem Aufwachen. Sobald sie die Augen öffnet ist es ihr überall am Körper heiß, am stärksten im Gesicht. Sie hat schon jahrelang Verstopfung, der Stuhl sieht wie kleine Kügelchen aus. Ansonsten fühlt sie sich gesund.

Folgende Rubriken beziehe ich in die Repertorisation ein:

• Zysten / Allgemeines – Tumoren – zystisch (Boger General Analysis / Kent´s Repertory)

• Gallertartig (Boger General Analysis)

• Stechen in äußeren Teilen / Extremitäten, Schmerz, Finger, stechend (TB / Kent)

• Druck äußerer agg. (Bönninghausen TB)

• Fieber, Hitze agg., beim Erwachen aus dem Schlaf (Boger BBCR)

• Hitze einzelner Teile, im Gesicht (BBCR)

• Beim Erwachen agg. (TB)

• Stuhl, Schafskot wie (Kent)

In der Reihenfolge der abgedeckten Symptome und der Wertigkeiten kommen Silicea, Sulfur, Graphites, Calcium carb., Hep. und Ruta in die engere Wahl.

Da die Patientin schon vor einigen Jahren einmal wegen chronischer Beschwerden in Behandlung war und Calcium carb. gut gewirkt hatte, gebe ich ihr zunächst Calc. C200 (Gudjons), ein Kügelchen abends vor dem Schlafen, dann – nach zwei Tagen Pause – für sechs Tage aufgelöst in einem halben Glas Wasser. Gegen Ende der Einnahme von Calc. beginnt die Blase sich wieder zu füllen, diesmal also zeitlich verzögert. Der Vorgang der Entstehung und des Aufplatzens der Blase wird schneller durchlaufen als sonst.

Vier Tage nach der Einnahme gebe ich Sulf. C200 (Gudjons). Sulfur ist erstens ein gutes Folge- und Wechselmittel mit Calc.; zweitens deckt es die chronischen Symptome besser ab als Sil., z.B. die Hitze bzw. Verschlimmerung beim Erwachen und den Schafskot. Drittens sollte man Symptome wie „Nadelstiche“, die sofort an Sil. denken lassen, nicht überwerten: Auch Sulf. hat natürlich stechende Schmerzen.

Drei Tage nach der Einnahme von Sulf. geht es dem Finger deutlich besser. Die Rötung ist abgeklungen. Es kommt etwas Flüssigkeit heraus, aber die Blase tut nicht mehr weh, bevor sie sich entleert. Schließlich zieht sich die Blase zurück und verheilt. Drei Wochen später aber füllt sie sich noch einmal und „piekst wie Nadelstiche“.

Sulf. C200 über drei Tage aufgelöst. Innerhalb von drei Tagen füllt sich die Blase, geht auf und verheilt endgültig.

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