Ältere Menschen

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Frau Walter, 83 Jahre:  Demenz, halluzinatorische Alterspsychose

Frau Walter verliert seit zwei Jahren alle geistigen Fähigkeiten. Tagsüber wird sie in einer Tagespflege betreut, nach Feierabend kümmert sich ihr Sohn um sie.

Sie weiß abends nicht, was sie tagsüber in der Pflege getan oder was sie mittags gegessen hat. Sie kennt weder ihren Geburtstag noch den Wochentag. Kopfrechnen ist nicht möglich, sie kann sich nicht selbst an- und ausziehen.

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Sie erzählt Dinge ohne jeden Zusammenhang, sie hat keine Orientierung: Läuft nachts aus dem Haus und weiß nicht, wo sie ist. Letztes Jahr behauptete sie, ein Kind schreie. Sie hat für das Kind etwas gekocht und nach draußen gestellt. Nachts bildet sie sich ein, die Nachbarn machen Krach. Frau Walter zieht die Rolläden hoch, um zu schauen, wer den Radau macht.
Sie sieht Fremde in der Wohnung, meint, ihre Enkelin drehe bei ihr einen Sexfilm. In der Tagespflege sitzt sie teilnahmslos herum.k
Frau Walter sieht krank und blass aus. Sie hat Ohrgeräusche, Verstopfung mit Blähbauch, schwankenden Blutdruck, Ödeme der Beine, starke Arthrose, Schmerzen in der rechten Hüfte und eine große Warze.

Ich gebe ihr täglich eine homöopathische Hochpotenz (Lycopodium*) in Tropfenform.

Nach einer Woche wird Frau Walter aufmerksamer und wacher.
Nach drei Wochen ist sie nicht mehr so träge, sie nimmt sozial teil, statt teilnahmslos herumzusitzen. Sie ist aufmerksam bei den Menschen in ihrer Umgebung und unterhält sich aktiv. Redet nur noch selten verwirrt.
Frau Walter steht jetzt früh auf, zieht sich wieder allein an, wischt Staub und spült Geschirr.
Die schulmedizinischen Medikamente werden schrittweise reduziert und einige ganz abgesetzt. Ohrgeräusche stören sie nicht mehr, die Hüftschmerzen werden 80 % besser. Selten hört sie nachts noch Stimmen, sie sieht wesentlich rosiger aus und hat regelmäßig Stuhlgang.


Frau Westermann, 94 Jahre:  Schlaganfall

Im Dezember 1998 werde ich zu Frau Westermann gerufen, einer 94-jährigen Patientin im Altenheim. Die Patientin hat sich bisher gänzlich selbst versorgt und war geistig klar. Die betreuende Schwester berichtet, Frau Westermann habe gegen 18.00 Uhr in ihrem Bett liegend plötzlich um Hilfe geschrien: Sie müsse mit dem Kopf hoch liegen und habe Angst herunterzufallen.

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Kurz darauf sei sie zur rechten Seite hin zusammen gesackt und war nicht mehr ansprechbar.
Die Patientin ist blass, reagiert nicht auf laute Ansprache, herabhängendes linkes Augenlid, schlaffe Lähmung rechter Arm, die Zunge hängt schlaff im halboffenen Mund und erschwert die Atmung. Blutdruck 170/80 mg. Offenbar Verschlechterung in Kopftieflage, da die Schwester die ganze Zeit Oberkörper und Kopf der Patientin aufrecht hält.
Diagnose: Schlaganfall.
Ich gebe der Patientin ein Kügelchen Arnika* C200. 30 Sekunden später klart Frau Westermann plötzlich auf, sie beginnt sich zu bewegen, spricht und reagiert wieder auf Ansprache. Die noch verwaschene Sprache verbessert sich innerhalb von 5 Minuten immer mehr bis zu einer deutliche Sprache und adäquatem Antworten! Zur Schwester gewandt sagt Frau Westermann zweimal, sie wolle sterben. Inzwischen ist ein Platz im Krankenhaus organisiert. Als ich dies Frau Westermann mitteile, möchte sie genau wissen, wohin sie kommt, welcher Arzt sie betreut, welche Schwestern dort sind usw. Die Lähmung des linken Lides ist inzwischen zurückgegangen, noch unverändert ist die Lähmung des rechten Armes. Sie erhält erneut ein Kügelchen Arnika* C200 und wird zur weiteren Betreuung ins Krankenhaus eingewiesen.

Die Arzneiwahl in diesem Fall erfolgte allein aus der Diagnose Schlaganfall, für die Arnika das Hauptmittel ist. Typische Symptome von Arnika bei Schlaganfall sind u. a.: Kopf und Gesicht heiß, Körper kalt, voller Puls, Berührungsempfindlichkeit.


Herr Grässer, 76 Jahre:  Chronischer Schwindel, rotes Gesicht

Herr Grässer hat seit über einem Jahr starken Schwindel nachts. Wenn er um 2 oder 3 Uhr aufwacht, „dreht sich alles rum“. Er geht in seiner Wohnung umher, oder er muss sich eine Weile am Bettrand hinsetzen, dann kann er irgendwann wieder schlafen.

Auch tagsüber wird ihm schwindelig sobald er sich hinlegt.

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Herr Grässer hat ein rotes Gesicht, auch die Hände sind stark gerötet. Vor 6 Jahren hatte er einen Schlaganfall, die linke Seite war gelähmt. Durch den Schwindel ist auch das normale Gehen beeinträchtigt.

Ich gebe Herrn Grässer Ferrum* Q4 täglich 3 Tropfen.
4 Wochen später berichtet er, der Schwindel sei nur noch ein- oder zweimal nachts aufgetreten. Der Schlaf ist gut. Tagsüber keinerlei Schwindel mehr. Herr Grässer sieht ganz auffällig besser aus, die Gesichtsröte ist verschwunden!
4 Wochen später: kein Schwindel mehr, Gesicht und Hände sind nicht mehr rot. Er hat jetzt eine Warze direkt oben auf dem Scheitel.
Ich gebe ihm ein Mittel für die Warze (Thuja*), die nach 4 Wochen verschwindet.
Ich beende die Behandlung von Herrn Grässer – er meldet sich bei Bedarf.


Herr Schmidt:  Lungenschwäche

Am 9.06.1996 werde ich zu einem 76-jährigen Mann gerufen. Der Patient ist bettlägerig und wird von der Ehefrau gepflegt. Er hat plötzlich Atemnot bekommen und ist kurzfristig sogar blau angelaufen. Ihr Mann hat immer wieder diese plötzlichen Anfälle von Atemnot und das Problem dabei ist, dass er den Schleim nicht hochbringen und abhusten kann.

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Befund: Das Gesicht ist dunkel-livide verfärbt, etwas gedunsen. Pulmo deutliche Spastik und Schleimrasseln. Übergewicht.
Das Unvermögen Schleim auszuwerfen, wenn dieser nicht zäh oder verfestigt ist, ist ein schulmedizinisch nicht behandelbares Symptom. Es beruht auf einer funktionellen Störung, einer Art Lungenschwäche, die durch eine Verflüssigung des Schleims mit Schleimlösern (Expectorantien) nicht zu beheben ist.
Ich gebe Ammonium carbonicum* C200. Beim Abhören nach 10 Minuten ist die akute Spastik schon deutlich gebessert.

10 Tage später ist der Zustand sehr gebessert. Vor allem das Abhusten von Schleim geht jetzt viel besser als vorher. Herr Schmidt hat das Rasseln auf der Brust nur noch selten, er hat auch kaum noch Atemnot und pfeifende Atmung. Auch sein allgemeiner Zustand ist deutlich besser als früher.


102-jährige Patientin:  Persistierende Diarrhöe/ Durchfall

Hausbesuch im Pflegeheim: Frau Maier, 102 Jahre, bettlägerig, leidet seit zwei Tagen unter starkem Durchfall trotz massivster Dosen ImmodiumR (Loperamid).
Frau Maier ruft alle 15 Minuten nach der Schwester „weil es so brennt am After“. Eine weitergehende Anamnese ist nicht möglich. Auch über die Beschaffenheit des Stuhles kann niemand Auskunft geben. Untersuchungsbefund unauffällig, Darmgeräusche spärlich. Der After wird nicht inspiziert.

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Die Schwestern wissen nicht mehr weiter. Frau Maier hat Durst auf kaltes Wasser, das ist alles, was ich herausbekomme. Ich untersuche die Patientin und gebe ihr eine homöopathische Hochpotenz.

Nach wenigen Tagen kommt ein Anruf der Heimleitung, was für ein Wundermittel das denn gewesen sei. Der Durchfall war schon nach wenigen Stunden verschwunden und nicht mehr wiedergekehrt. Die Chefin des Hauses lud mich zu einem Vortrag über Homöopathie ein.


89-jährige Patientin:  Schwere Herzinsuffizienz

2.08.2006: Frau Gutmann ist gestürzt und wurde an einem Oberschenkelhalsbruch operiert. Sie leidet schon seit vielen Jahren an einer schweren Herzinsuffizienz (Herzschwäche), die sich kurz nach der Operation massiv verschlechtert. Frau Gutmann wird deswegen auf die Intensivstation verlegt.
Schon bei der kleinsten Anstrengung bekommt sie keine Luft, sie hat Atemnot und ein beklemmtes Gefühl in der Brust.

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Allein wenn sie spricht, bekommt sie oft keine Luft. Und Frau Gutmann redet normalerweise viel und gern. Tachykardie. Heute Nacht starkes Angstgefühl im ganzen Körper, Angst, „wie geht es weiter?“
Die Krankenhausärzte sind ratlos. Sie sagen, Frau Gutmann habe eine ausgeprägte Herzschwäche und man könne hier medikamentös nichts mehr machen. Frau Gutmann bekommt Digitalis, ein Nitropräparat, Diuretika und ACE-Hemmer. Man hofft, dass das Herz jetzt nach der Operation wieder zu Kräften kommt.
Schon in den letzten Wochen vor dem Sturz konnte Frau Gutmann oft morgens nach dem Aufstehen wegen der Atemnot nichts im Haushalt machen. Immer so gegen 17, 18, 19 Uhr hat sie einen Schwächeanfall gehabt, frische Luft besserte.
Sie fühlt sich sehr schwach und erschöpft. Kein Durst. Appetit schlecht. Verstopfung, nur alle 3 Tage Stuhlgang. Verzweifelt.
Ich gebe Arsenicum* Q6 2x täglich.
8.08.: Frau Gutmann ist inzwischen wieder auf der Normalstation. Es geht ihr viel besser. Sie steht alleine auf, geht allein zur Toilette, zeiht sich sogar selber an und bekommt täglich Krankengymnastik. Der Appetit ist besser. Sie hat das Gefühl es tut sich was, jeden Tag geht es ihr etwas besser. Stuhl jeden Tag, keine Verstopfung mehr. Auch die Stimmung ist deutlich besser, kein verzweifeltes Gefühl, keine Angstgefühle mehr.
12.08.: Die Luftnot ist wieder stärker, wenn sie sich anstrengt. Es fehlt auch die Kraft in den Beinen. Gestern kein guter Appetit. Seit drei Tagen ist sie verschleimt und hat beim Abhören und subjektiv ein grobes Rasseln über der Lunge. Diagnose: Bronchitis.
Ammonium carbonicum* C200 täglich 1 Glob. auf 1 TL Wasser.

Rasche Besserung der Atmung, Frau Gutmann kann schon zwei Tage später in eine Reha verlegt werden. Hier bekommt sie eine Blasenentzündung, die im Krankenhaus konventionell mit Antibiotika behandelt wird. Die darauf folgende Schwäche und Appetitlosigkeit heilt Sulfur* C200. Die Hüfte schmerzt beim Gehen und im Stehen. Ich gebe ihr Symphytum* C30 täglich ein Kügelchen und anschließend Sulfur* Q6 und die Hüftschmerzen verschwinden. Schließlich kommt Frau Gutmann wieder nach Hause und lebt in ihrer eigenen Wohnung in einem besseren Allgemeinzustand als vorher.


Herr Bauer, 77 Jahre:  Lungenödem

Am 14.11.1998 werde ich um 19.30 Uhr während des ärztlichen Bereitschaftsdienstes zu dem 77-jährigen Herrn Bauer gerufen, er sei „sterbend“. Zunächst spreche ich im Nebenzimmer mit der Schwester, die den Patienten schon länger ambulant betreut und einen erfahrenen Eindruck macht. Sie berichtet mir und den anwesenden Angehörigen: Herr Bauer sei nicht mehr ansprechbar und er habe keinen Puls.

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Er sei schwerkrank und sein bevorstehendes Sterben sei nur gut für den Patienten. Deshalb rate sie, von lebensverlängernden Maßnahmen abzusehen.
Ich gehe in das Krankenzimmer, bei der Untersuchung fällt folgendes auf: Der Patient ist nicht ansprechbar, auch nicht auf lautes Anrufen. Die Augen sind halb geschlossen, er liegt flach im Bett und hat weißlichen Schaum vor dem Mund, der in Fetzen immer wieder heraus geblasen wird. Zyanose. Blutdruck 55 systolisch, Puls sehr schwach, Frequenz nicht eindeutig zu bestimmen. Auskultatorisch über allen Lungenfeldern grobblasige Rasselgeräusche.
Diagnose: Lungenödem.
Bis zum Mittag sei Herr Bauer von der Atmung her noch unauffällig gewesen und er war ansprechbar. Bis vor einer halben Stunde, als die Atemnot begann, sei er stundenlang sehr unruhig gewesen. Die Ehefrau wirkt sehr gefasst, sie weiß um die Ernsthaftigkeit der Situation und befürwortet ebenfalls, wegen der „schweren Vorerkrankungen“ ihren Mann sterben zu lassen. Er habe auch nicht mehr ins Krankenhaus gewollt. Alles dies wirkt zunächst sehr überzeugend.
Ich lagere den Patienten hoch und bespreche die Situation nochmals mit der betreuenden Schwester und den Angehörigen. Außerdem verabreiche ich zwei Globuli des homöopathischen Mittels Arsenicum album* C200.
Ein, zwei Minuten nach der Gabe des Mittels fängt der Patient an, sich zu stabilisieren: Er hat weniger Schaum vor dem Mund und auch offensichtlich weniger Atemnot! Minuten später steigt der Blutdruck auf 80 systolisch, der Puls liegt bei ca. 140/min. Ich entscheide mich für eine zusätzliche Gabe von 60 mg Furosemid intravenös (schulmedizinische Behandlung).
Herr Bauer ist allmählich wieder ansprechbar, wendet mir seinen Kopf auf Ansprache zu und antwortet mit „ja“ oder unverständlichen Worten.

Eine genaue Anamnese ergibt nun folgendes: Herr Bauer ist seit Jahren schon bettlägerig, aber geistig sehr klar. Vor zwei Monaten hatte er eine Oberschenkelhalsfraktur, daraufhin hat er körperlich abgebaut. In den letzten Tagen war er verwirrt, aber dies lag offenbar an einer überhöhten Dosis eines Beruhigungsmittels durch den Hausarzt. Nur im Zusammenhang mit mehreren kurzfristigen Krankenhausaufenthalten und ambulanten Kontrollen der nach der Operation entzündeten Oberschenkelnarbe hatte Herr B. geäußert, nicht mehr ins Krankenhaus zu wollen. Über einen Verzicht auf lebensverlängernde Maßnahmen liegt keine Äußerung des Patienten vor.
Ich entscheide mich für die Einweisung ins Krankenhaus. Herr Bauer überlebt.


* Homöopathische Arzneien werden individuell verschrieben und sind nicht auf andere Krankheitsfälle übertragbar.

Alle Namen im Text wurden geändert.

Abkürzungen:  < = Verschlimmerung,  > = Besserung

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