Hämatom hinter der Fruchtblase

MHW32270

Hämatom hinter der Fruchtblase

Erschienen in der Zeitschrift für klassische Homöopathie, Haug Verlag

Von Dr. med. Carl Rudolf Klinkenberg

Manchmal kommen Patienten mit einem klinischen Befund in die Sprechstunde, der durch apparative Diagnose­möglichkeiten wie Röntgen und Ultraschall erkannt wurde. Der Befund findet sich in der Regel nicht im Repertorium, weil der Großteil der Verifikationen, auf die wir heute zurückgreifen, aus der Zeit bis 1916 (3. Auflage des Kentschen Repertoriums) stammt. Wenn wir den Befund heilen, sollten wir den Fall aufschreiben:

Die 31-jährige Patientin kommt am 12.07.2002 mit einem kleinen Hämatom hinter der Fruchtblase. Sie ist in der 11. Woche schwanger. Das Hämatom wurde von ihrer Frauenärztin zwei Tage zuvor im Ultraschall festgestellt. Die Frauenärztin sagte ihr, das Hämatom könnte durch Gelbkörper­hormon­­mangel entstehen. In der Regel passiere nichts, das Hämatom könne sich aber vergrößern und es kann zu einer Fehlgeburt kommen. Sie verordnet Schonung und möglichst viel Liegen.

Außer dem Hämatom hat die Patientin seit Beginn der Schwangerschaft ständig leichte Übelkeit. Sie bewegt sich ungern, denn dies verstärkt die Übelkeit. Abends ist die Übelkeit eher schlechter. Sie ist dann müde, möchte schlafen. Es geht ihr ganz allgemein nicht so gut.

Essen bessert die Übelkeit. In den letzten Tagen hatte sie einen metallischen Geschmack im Mund. Das ist merkwürdig, denn so eine Empfindung von Metall im Mund hat sie nie zuvor gehabt. Sie hat ein ständiges Hungergefühl, auch wenn sie etwas gegessen hat, wie ein Vakuum oder Gefühl, dass der Magen leer ist. Wenn sie nichts ißt, fühlt sie sich schwach.

Morgens beim Erwachen ist ihre Nase verstopft, die Absonderung klar. Im Laufe des Tages verschwindet das wieder.

Mittelgabe und Dosierung

Sepia C30 2 Globuli aufgelöst in einem halben Glas Wasser, davon 3 Tage lang jeweils 1 TL nachmittags und abends.

 

Begründung der Arzneiwahl

Obwohl ein Hämatom der Gebärmutter in der Schwangerschaft nicht selten ist, steht es nicht im Repertorium [3]. Ich wähle die Arznei mit Hilfe der übrigen Schwangerschaftssymptome:

 

  • • Nausea, eating after, amel.: Lac-ac., Phos., Sep. [3: 1750]
  • • Taste, metallic: Lach., Lac-ac., Phos., Sep. [3: 1851]
  • • Nausea, evening: Lach., Nat-c., Phos., Sep. [3: 1851]
  • • Modalitäten, < abends: LACH., Nat-c., PHOS., SEP. [1: 314]
  • • Stomach, emptiness: Lach., Lac-ac., Phos., Sep. [3: 1738]
  • • Stomach, emptiness, eating, not relieved by: Lach., Phos., Sep. [3: 1739]

Verlauf

Die Schwangerschaftsübelkeit und alle übrigen Symptome heilen innerhalb weniger Tage. Bei der nächsten Ultraschalluntersuchung nach 11 Tagen ist das Hämatom verschwunden.

Verifizierte Symptome

  • • Hämatom neben der Fruchtblase
  • • Schwangerschaftsübelkeit

Da es ein klinisches Symptom ist, reicht eine Einzelbeobachtung nicht für den Eintrag im Repertorium aus [2: 18]. Erst wenn die Heilung mehrfach und durch verschiedene Behandler gelingt, kann sie ins Repertorium übernommen werden.

Literatur

 

[1] Bönninghausen CM v.  Bönninghausens Therapeutisches Taschenbuch, Revidierte Ausgabe. Hrsg. K.-H. Gypser. 1. Aufl., Stuttgart: Sonntag Verlag; 2000.

[2] Klinkenberg CR.  Sieben Kriterien für Verifikationen. ZKH 2009; 53: 16-21.

[3] Murphy R.  Homeopathic Medical Repertory. 2. Aufl. New Dehli: B. Jain Publishers; 1998.

 

 

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