Vier Fälle 2

Die chronischen Störungen von vererbter Tuberkulose und Impfungen – vier Fälle

Dr. Carl Rudolf Klinkenberg, Vortrag Jahrestagung DZVhÄ am 18.05.2012

  1. Fall

Der 19 Monate alte Ben hat seit drei Wochen eine Pneumonie, die nicht ausheilt. Er hat im Krankenhaus schon zwei verschiedene Antibiotika bekommen und bekommt 4 mal täglich Inhalationen mit Cortison und Salbutamol. Hier ist das Röntgenbild:

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Es ist die 4. Lungenentzündung innerhalb von 8 Monaten. Sie begann wenige Stunden nach einer Meningokokkenimpfung. In der Klinik will man jetzt eine Broncho­skopie machen. Aber die Eltern lehnen die Broncho­skopie ab und kommen in homöo­pathische Behandlung.

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Ben aktuelle Symptome sind: Große Schwäche, ständiger Husten, er ist blass, hat Ringe unter den Augen, rote Lippen, und die akute Pneumonie heilt nicht aus. Ich gebe am 6.10.2008 zuerst Sulf. Die Symptome bessern sich. Dann stagniert die Besserung und ich gebe 4 Tage später Ars. Mit Ars. gehe ich noch einmal zurück auf das Mittel, das die Pneumonie in ihrem Anfangs­stadium abdeckt. Die Pneumonie heilt innerhalb von 3 Wochen aus. Ben hat wieder mehr Energie, sein Appetit ist besser.

Aber: Ben hustet immer noch sporadisch. Er ist immer noch etwas blaß und seine Lippen sind wieder rot geworden. Sein Zustand ist nicht wirklich stabil. Seit 8 Monaten hat der Junge eine Pneumonie nach der anderen. Diese Anfälligkeit muß geheilt werden. Das sind seine chronischen Symptome:

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Wenn er zornig ist, schlägt er seinen Kopf gegen den Boden oder die Wand – ein auffallendes Tuberkulinum-Symptom! Selbst wenn ich eine Anamnese bei einem 10-jährigen mache, frage ich immer nach diesem Symptom, wenn ich eine tuberkulöse Belastung vermute.

Knieellen­bogenlage. Ben hat auffällige Essensgewohnheiten: Er ißt sehr gerne Nudeln, besonders ohne Soße, wie Paula im ersten Fall. Er hat ein auffälliges Verlangen nach kalter Milch, ißt kein Obst und Gemüse und kein Fleisch. Wenn er weint, läuft ihm grüner Schleim aus der Nase. Er hat Alpträume. Ben ist eigensinnig und er versucht immer, seinen Kopf durchzusetzen. Er hat gezähnelte Zahnschneiden – alle diese Symptome sind typische Tuberkulinum-Symptome.

Die erste Pneumonie hatte Ben wenige Wochen nach einer 6-fach-Impfung. Die aktuelle Pneumonie begann wenige Stunden nach einer Meningokokken­impfung. Die Impfungen haben also wahrscheinlich zur Entstehung der Krankheit beigetragen. In der Familie gibt es gehäuft Lungenerkrankungen –  der Vater hatte als Kleinkind zwei schwere Lungenentzündungen und der Großvater litt unter einem hartnäckigen chronischen Husten. Auch Ben Eltern sind genau wie bei Paula im ersten Fall beide BCG geimpft!

Mittelwahl & Verlauf

Das auffällige Kopfschlagen, die Knieellenbogenlage, Befunde wie die roten Lippen und gezackten Zähne, seine Ernährungsauffälligkeiten und die tuber­kulöse Vorbelastung der Eltern indizieren klar Tuberkulinum.

Das ist die Repertorisation:

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Ich gebe Ben erst Tuberkulinum Q4 und Q6, später Tuberkulinum XM 6 Wochen lang einmal pro Woche. Darunter verschwinden im folgenden Jahr das Kopf­schlagen, die Zornanfälle, seine Alpträume, die Röte der Lippen und die Infektanfälligkeit. Ben bekommt keine Pneumonie mehr. Das ist das Röntgenbild nach der Behandlung:

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Vererbung der TBC

Paula und Ben kommen aus Familien mit tuberkulöser Vorbe­lastung und haben Symptome von Tuberkulinum entwickelt. Paula im ersten Fall hatte eine starke tuberku­löse Belastung durch die TBC ihres Großvaters und die BCG-Impfungen ihrer Eltern. Vorbelastung heißt, dass der krankmachende Einfluss der TBC auf Paula übertragen wurde. Ben hatte eine tuberkulöse Belastung durch die BCG-Impfung seiner Eltern.

Die TBC hat die Kraft, den Organismus mit einer bleibenden Störung zu hinterlassen:

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Unsere Vorgänger Burnett [11], Nebel [27], Boger und Farrington [39], Vannier [40], Foubister [13], Tyler [38] und viele andere haben dieses Phänomen beschrieben. Sie haben beobachtet, das eine konventionell behandelte TBC nur geheilt scheint, aber den Körper nicht verläßt. Es sieht so aus, als wäre sie geheilt. Aber sie bleibt im Körper und hinterläßt ihn mit einer chronischen Störung und Krankheits­anfälligkeit. Sie haben auch beobachtet, dass diese Störung über mehrere Generationen vererbt wird!

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Deswegen leiden gerade heute sehr viele Kinder an vererbter TBC.

Woran erkennt man das? Man erkennt es durch die wiederholte klinische Beobachtung, dass Nachkommen, die eine tuberkulöse Belastung haben, ganz bestimmte Folge­krankheiten entwickeln.

In erster Linie: Allergien – wie Heuschnupfen, Hausstaub- oder Nahrungs­mittelallergien. Hautkrankheiten wie Neurodermitis und Ekzeme. Infektan­fälligkeit (rez. Angina, Bronchitis, Otitis). Oder Verhaltensauffälligkeiten wie Wutanfälle, Schlagen, Ängste, Konzentra­tionsprobleme, Unruhe. Diese Krankheiten entstehen oft auf dem Nährboden der vererbten TBC.

Epigenetik

Ich wollte wissen, durch welchen Mechanismus der tuberkulöse Einfluss weitergegeben wird. Margret Tyler spricht von einer Ansteckung, die durch mehrere Generationen hindurch „gefiltert“ wurde [38]. John Henry Allen nennt es „hereditary transmission“, vererbte Übertragung [3].

Die Epigenetik bietet ein Erklärungsmodell. Unsere Erbinformation ist in den Genen der DNA festgelegt. In der alten Vererbungslehre, der Genetik, werden nur die Gene weitergegeben. Es gibt aber noch einen zweiten Verer­bungs­weg, die Vererbung von Gen-Aktivitäten:

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Die Epigenetik erforscht die Veränder­ungen von Aktivitätszuständen der Gene, die nicht auf einer Veränderung der DNA beruhen.[1] Die Aktivität der Gene wird durch ihre Chromatin­struktur bestimmt. Die Chromatinstruktur wiederum wird durch DNA-Methy­lierung und durch Modifikation der Histone beeinflußt. Die Histone sind Proteine, die das Stützgerüst der DNA bilden.[2] [21]

Tierversuche und Studien belegen, dass nicht nur die Gene, sondern auch Veränderungen der Chromatinstruktur vererbt werden. Krankheiten können Gene aktivieren oder deaktivieren.[3]

Diese Modifikationen werden als Muster im Genom verankert und können von einer Zell­gener­ation zur nächsten weitervererbt werden. [5, 24, 29, 34]

Die Vererbung von Gen­mustern ist eine Erklärung für die Beobachtung, dass Infektionskrankheiten wie Syphilis oder TBC bei den Nachkommen chronische Störungen hinterlassen. Nach diesem Modell sind die Miasmen erworbene, epigenetisch fixierte, aber reversible Gen-Muster im Genom eines Menschen.[4]

[1] Die Epigenetik erforscht die Mechanismen, mit deren Hilfe die Aktivitätszustände der Gene einer Zelle von einer Zellgeneration zur nächsten weitergegeben werden, ohne das eine Veränderung der Gensequenz geschieht. Sie befasst sich mit allen Vorgängen, die dazu führen, dass die codierte Information in einem Gen aktiv wird und einen bestimmten zellulären Prozess in Gang setzt [21: 137].

[2] Die DNA-Methylierung dient bei höher entwickelten Organismen der Markierung von aktiven und inaktiven Bereichen der DNA. Dabei versehen Enzyme (Methyltransferasen) den DNA-Baustein Cytosin an bestimmten Stellen im Genom mit einer Methylgruppe, die dies Genomabschnitte für Proteine, die das Einschalten der Gene übernehmen, unzugänglich machen. Durch die Stillegung von Genen durch Methylgruppen wird die Genaktivität verändert. Die Methylierung des Cytosins kann wieder rückgängig gemacht werden, ist also reversibel [21: 137].

Histone sind Proteine, die das Stützgerüst bzw. „Verpackungsmaterial“ der DNA bilden. Das Stützgerüst beeinflusst die Aktivität der einzelnen Gene. Die DNA ist um diese Proteine herumgewickelt und wie auf einer Perlenschnur aufgereiht. Zu jeder „Perle“, Nucleosom genannt, gehören 8 Histonenproteine und 147 Basenpaare des doppelsträngigen DNA-Fadens. Dieser Mix aus DNA und Histonen ergänzt mit anderen Proteinen ergibt das Chromatin, das Material aus dem die Chromosomen bestehen. Um wichtige Stellen zu markieren ist die DNA mit „Lesezeichen“ ausgestattet. Sie markieren, welche Abschnitte der DNA für bestimmte Aufgaben unentbehrlich sind. Diese molekularen „bookmarks“ hängen an den Proteinschwänzchen der Histone. Sie bestimmen die Eigenschaften des Chromatins ([21] und persönliche Mitteilung).

[3] Man kennt heute schon charakteristische Aktivitätsmuster der Gene für bestimmte Krankheiten [21: 138,141]. Z.B. konnte in einer humangenetischen Studie von Möller gezeigt werden, dass Mykobakterium tuberkulosis in die epigenetische Regulation der DNA eingreift [23].

Dabei kommt es auf der epigenetischen Ebene zu Störungen des Vitamin-D Stoffwechsels. Vitamin D unterdrückt das Wachstum von M. tuberkulosis. Epidemiologische Studien zeigen eine Beziehung zwischen Vitamin D-Mangel und erhöhter Empfänglichkeit für Tuberkulose (Wilkinson RJ, Lewelyn M, Toossi Z et al. (2000): Influence of vitamin D deficiency and vitamin D receptor polymorphisms on tuberculosis among Gujarati Asians in west London: a case-control study. Lancet 355; 618-621). Für 229 Gene wurde der Beweis erbracht, dass sie von Vitamin D mitreguliert werden.

[4] Die Miasmen bilden im genetischen Pool der Nachfahren eine Disposition für chronische Erkrankungen. Herbert Pfeiffer schreibt: „Die Miasmen Psora, Sykosis und Syphilis können… auch durch Vererbung weitergegeben werden. …Schon bei Säuglingen und Kindern treten psorische, sykotische oder syphilitische Krankheiten auf, ohne dass ein akutes Stadium durchlaufen wurde.“ (Pfeiffer, Lehrbuch der Kinderheilkunde).

Homöopatische Mittel können die durch längst abgelaufene Infektionen verursachten epigenetischen Prägungen löschen, sowohl beim früher infizierten Individuum, als auch bei dessen direkten und indirekten Nachkommen.

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