Vier Fälle 3

Die chronischen Störungen von vererbter Tuberkulose und Impfungen – Vier Fälle

Dr. Carl Rudolf Klinkenberg, Vortrag Jahrestagung DZVhÄ am 18.05.2012

Fall

 In manchen Fällen können wir eine vererbte TBC nur vermuten, weil die Angehörigen nichts von einer TBC der Vorfahren wissen. Wie im Fall der 9-jährigen Vera:

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Vera kommt im Mai 2005 in Behandlung. Sie ist anderen Kindern gegenüber dominant und rechthaberisch und erteilt Befehle an ihre Spiel­kame­raden. Dieses Verhalten zeigt sie schon seit vielen Jahren, aber seit einem Jahr wird es zunehmend untragbar. Sie ärgert andere Kinder, v.a. wenn sie sie nicht kennt, und sie schlägt andere Kinder. Vera will immer Gesellschaft haben, möglichst viele um sich versammeln und im Mittelpunkt stehen. Sie faßt gerne andere Menschen an und hat kein Maß für die Grenzen. Sie merkt auch nicht, wenn ein Kind nicht mit ihr spielen will. Die anderen Kinder „schneiden“ sie, und Vera hat jetzt keine Freunde mehr.

Vera ist immer in Aktion, sie muß immer irgendetwas machen. Sie hat viele Ideen und Phantasien. Sie ist schnell beleidigt und wird wütend schon wegen Kleinigkeiten. Wenn sie wütend ist, schmeißt sie ihr Kopfkissen oder einen Gegenstand gegen die Wand.

Ihre körperlichen Symptome sind:

Polypen in den Nasennebenhöhlen, vergrößerte Mandeln. Sie hat das Gefühl eines Klumpens im Hals. Vera trinkt nur Kaltes und sie hat Verlangen nach sauren Dingen. Sie hat Angst, dass Gespenster in ihr Zimmer kommen und sie entführen. Manchmal hat sie Alpträume. Als Kleinkind hatte sie Neurodermitis.

Mittelwahl

Fast alle bisher genannten Symptome sind Tuberkulinum-Symptome:

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In einem solchen Fall benutze ich kein Repertorium, sondern ich schlage nur einzelne Symptome wie den Klumpen im Hals und das Verlangen nach Gesellschaft in der Materia medica nach. Eine TBC in der Familie ist nicht bekannt. Aber es gibt Hinweise darauf:

Einen Fall von Lungenfibrose, einen Lungen­krebs. Veras Mutter hatte jahrelang Eierstock­zysten, die nach Gabe von mehreren Mitteln durch Tuberkulinum geheilt wurden.

Verlauf

Ich gebe Vera 2 Glob. Tuberkulinum C1000. Das Dominieren-Wollen, Schlagen, die Alpträume und der Klumpen im Hals verschwinden durch diese Einmalgabe innerhalb von 3 Wochen.

Nach einem Jahr wird Vera wieder rechthaberisch; sie erteilt wieder Befehle und kommandiert andere herum. Sie bekommt wieder Tuberkulinum M und 6 Monate später Tuberkulinum XM. Danach verschwindet ihre Verhaltensstörung dauerhaft.

Hier ist Vera mit ihren neuen Freundinnen:

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Tuberkulinum ist natürlich nicht das einzige Mittel, um eine vererbte TBC zu heilen. In den meisten Fällen sehen Sie bei der Ausarbeitung, dass den Symptomen außer der TBC-Belastung noch ein anderes chronisches Mittel zugrunde liegt, z.B. Sulf., Calc., Sil., Phos. oder auch Puls.

Nach meiner Erfahrung sind beide Wege möglich: Sie können erst mit der Nosode beginnen und die Bahn für ein dahinter­­liegendes chronisches Mittel frei machen. Oder Sie beginnen mit einem Mittel wie Sulf. oder Calc. und verwenden Sie Tuberkulinum als Zwischen- oder Reaktionsmittel. Es gibt nämlich auch Kinder, die Tuberkulinum oder Bacillinum am Anfang der Behandlung nicht gut vertragen und damit überfordert sind.

Wichtige Komplementärmittel in akuten Fällen sind Phos., Sang. und Tub. selbst. Achten Sie auf Sanguinaria, es ist kaum bekannt in diesem Zusammenhang. Sang. ist ein Mittel für Lungen-TBC. Es ist auch ein hervorragendes Mittel, wenn ein Patient mit tuberkulöser Belastung einen hartnäckigen Reizhusten hat, der nach einer Grippe oder Erkältung wochenlang einfach nicht weggehen will.

BCG Impfung

Die Eltern der beiden ersten Kinder, Paula und Ben, wurden beide BCG-geimpft. Die BCG-Impfung wurde bei uns zwischen 1970 und 1995 in großem Umfang eingesetzt. Es wurde immer noch derselbe Impfstoff verwendet, der schon 1921 entwickelt worden war. 1998 wurde die Impfung wegen der nicht sicher belegten Wirksamkeit und häufiger, zum Teil schwerer Neben­wirkungen aus dem Impfplan genommen.

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BCG ist ein abgeschwächter Rinder-TBC-Bazillus. Es ist eine Lebendimpfung, das bedeutet, dass der Organismus durch die Impfung mit lebenden TBC-Bakterien infiziert wird.[1] Der Tuberkulin-Test wird signifikant positiv. [1, 14, 26, 37]  Das ist ein Zeichen für das Vorhandensein von TBC, entweder in der aktiven oder in der latenten Form. [22, 32]  Die Infektion mit TBC ist das Entschei­dende. Nicht die Virulenz der Bakterien!

Ich habe sehr oft beobachtet, dass die BCG-Impfung chronische Störungen auslöst. Diese Störungen werden an die Kinder weiter­gegeben. Wenn die Eltern die BCG- Impfung bekommen haben, bekommen die Kinder die typischen Folgekrank­heiten wie Verhaltensstörungen, Hyperaktivität oder Infekt­anfälligkeit.Das tuberkulöse Miasma entsteht also durch:

Die Erkrankung bricht nicht aus, was typisch für die TBC ist: Die TBC ist eine komplexe chronische Infektion mit oft langer Latenzzeit. Viele Menschen weltweit tragen die Mycobacterien in sich, ohne jemals an einer manifesten TBC zu erkranken; nur etwa 10% aller Infizierten zeigen tatsächlich die Symptome der Krankheit. Nach dem Annual TB Status Report 2011 der indischen Regierung sind heute bis zu 40% der indischen Bevölkerung mit TBC infiziert (Government of India: TB India 2011, Revised National TB Control Programme. Annual Status report, S. 7)!

Die chron­ischen Folgen der Impfung wie Allergien und Infektanfälligkeit wurden bis heute nicht systematisch z.B. mittels Studien untersucht und sind wenig bekannt.

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Die Infektion, die vererbte Infektion, die BCG-Impfung, und die vererbte BCG-Impfung.

Ben und Paulas Belastung mit TBC nennen wir ein tuberkulöses Miasma. Ich sage bewußt tuberkulös und nicht tuberkulinisch. Die TBC-Infektion ist, wie der Name es sagt, tuberkulös. Der Begriff „tuberkulinisch“ oder „tuberkulinisches Miasma“ suggeriert, dass hier nicht ganz konkret eine Ansteckung mit TBC-Bakterien gemeint ist. Sondern Symptome, die der TBC oder der Arznei Tuberkulinum ähnlich sind. „Tuberkulinisch“ ist ein unscharfer Begriff. Klare Begriffe sind wichtig, sonst wird alles beliebig. Ein tuber­kulöses Miasma ist nichts anderes, als die chronische Folge einer realen direkten oder indirekten Infektion mit TBC.

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