Die chronischen Störungen von vererbter Tuberkulose und Impfungen – vier Fälle

Dr. Carl Rudolf Klinkenberg, Vortrag Jahrestagung DZVhÄ am 18.05.2012

Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich zeige Ihnen heute vier junge Patienten:

Das erste Kind hatte multiple Dellwarzen, das zweite eine nicht ausheilende Lungenentzündung, das dritte eine Verhaltensstörung und das vierte ein schweres ADS-Syndrom. Alle Kinder litten an den chronischen Folgen von vererbter TBC. Zwei der Kinder waren schulmedizinisch austherapiert.

1. Fall

Die 4-jährige Paula kommt am 21. Oktober 2010 wegen ca. 30 Dellwarzen, die sie vor 9 Monaten bekommen hatte. Die Dellwarzen befinden sich hauptsächlich an Rücken, Brust und Bauch. Manchmal entzünden sich einige Warzen und werden eitrig. Die Entzündung dauert vier bis fünf Wochen, bis sie ausheilt, die Warzen bleiben danach weiter bestehen.

Dellwarzen

Im September 2009 wurde Paula zum ersten Mal geimpft – gegen Diptherie, Tetanus und Polio. Direkt nach der Impfung hatte sie eine leicht erhöhte Temperatur, sie war drei Tage schwach und hat eine Woche lang eingenäßt. In den Wochen danach begannen die ersten Symptome einer Nahrungsmittel­unverträglichkeit: Sie bekam Bauchschmerzen, einen Blähbauch und Durchfall. Im Februar 2010 wurde eine Unverträglichkeit gegen Milcheiweiss und Soja diagnostiziert. Bis zur Impfung war Paula völlig gesund gewesen.
Im Januar 2010 bekam sie die Dellwarzen.

Paula hat eine typische Kombination von Symptomen, die ich oft bei Tuberkulinum-Kindern sehe. Das sind erstens die psychischen Symptome:

Paula hat eine rege, blühende Phantasie und sie ist schwer zu bremsen, wenn sie etwas erzählt. Sie nimmt eine Begebenheit und schmückt sie mit ihrer Phantasie lebhaft aus. Paula ist frühreif und sie hat früh sprechen gelernt. 

In fast jeder Materia medica von Tuberkulinum steht, die Kinder seien geistig zurück­geblieben. Das findet man nach meiner Erfahrung viel seltener. Im Gegenteil, sie sind geistig meist sehr aktiv und intelligent, so wie Paula.

Paula ist offen, neugierig, hat viele Freunde, auch ältere Kinder. Sie ist sehr „verkuschelt“. Sie ist schnell eingeschnappt, manchmal richtig „zickig“. Paula hat Furcht vor Geistern. Und sie hört sehr gerne klassische Musik. Leben und Tod sind für sie Eins: Sie erzählt Erlebnisse, die beginnen mit: „Als ich schon mal gestorben war … Als ich im Himmel war … Als ich im Keller war und die Bomben sind gefallen …“ 

Auffallend sind Paulas Ernährungsgewohnheiten: Sie ißt sehr gerne Nudeln, auch kalte, aber am liebsten ohne Soße. Die „Nudeln ohne Soße“ sind ein wertvoller Hinweis auf Tuberkulinum! Überhaupt mögen die Kinder oft keine vermischten Speisen, sondern wollen alles auf ihrem Teller getrennt haben. Sie sind wählerisch mit dem Essen und lehnen jahrelang bestimmte Nahrungsmittel ab, z.B. Obst oder Gemüse.

Paula liebt Joghurt und salziges Essen. Sie hat ein großes Verlangen nach Salami und isst sehr gerne Würstchen. Auch das ist typisch, viele Tuberkulinum-Kinder verlangen nach Fleisch, aber noch häufiger ist das Verlangen nach Würstchen. Auch das Gegenteil gibt es, dass die Kinder Fleisch ablehnen.[1]
Paula isst gerne Rohkost, und sehr gerne Gurken und Butter: Zum Beispiel isst sie die Butter von einer Brezel und läßt die Hälfte der Brezel übrig. Das Verlangen nach Butter ist sehr wichtig. Die Eltern erzählen das nicht von selbst, fragen Sie danach!

Und Paula hat weitere Tuberkulinum-Symptome:

Vergrößerte Tonsillen. Sie ist frostig, hat kalte, oft feuchte Hände. Sie ist zart gebaut, nicht belastbar – ein langer Spaziergang erschöpft sie sehr. Sie hat Alpträume. Bis zum Ende des dritten Lebensjahres hat sie nachts eingenäßt. Seither hat sie immer kurze Zeit eingenäßt, wenn sie einen Entwicklungsschub gemacht hat. Die Zahnung war spät, begann mit 11 Monaten. Nach der Impfung begann ihre Nahrungs­mittelunverträglichkeit.

Die meisten Tuberkulinum-Symptome in unserer Materia medica sind klinische Symptome. Es gibt nur vier kleine Prüfungen. Eine davon ist die Prüfung von Boocook, die Sie hier bei den Quellen sehen.
Außerdem ist Paula extrem weitsichtig und trägt eine Brille mit 11½ und 10½ Dioptrien.

Ich schicke jedem Patienten vor der Erstanamnese einen Fragebogen, ich frage: Welche Medikamente nehmen Sie, welche schweren Krankheiten hatten Sie, welche Impfungen, welche schweren Krankheiten gab es in der Familie? Als Hilfe steht schon Krebs, TBC, Geschlechtskrankheiten und psychische Krankheiten auf meinem Fragebogen.

Die wichtigsten Erkrankungen in Paulas Familie, die auf eine tuberkulöse Belastung hinweisen sind: Paulas Großvater hatte als Kind eine Tuberkulose. Beide Eltern wurden TBC geimpft. Paulas Mutter bekam einen Tuberkulin-Test. Und das Ekzem der Mutter und die chronische Bronchitis des Vaters weisen zusätzlich auf eine tuberkulöse Belastung in der Familie.[2]

Mittelgabe & Verlauf

Paulas psychische und körperlichen Symptome, ihre Ernährungsgewohnheiten und die familiäre Belastung weisen eindeutig auf das homöopathische Mittel Tuberkulinum hin. Ich gebe ihr 2 Globuli Tuberkulinum C200 vor dem Einschlafen. Sie zeigt folgende Reaktion:

Gleich in der ersten Nacht entzünden sich fast alle 30 Dellwarzen. Sie werden eitrig und blutig. Die Mutter hatte schon viele schnelle Heilungen durch Homöopathie erlebt. Doch diesmal ist sie restlos begeistert, sie sagt mir: „Das war echt irre. Wer nicht an Homöopathie glaubt, hätte das sehen sollen!“

Innerhalb der nächsten drei Wochen verschwinden alle Dellwarzen bis auf eine große am Rücken. Sie hatte die Dellwarzen immerhin schon seit 9 Monaten! Auch Paula selbst ist beeindruckt. Sie erzählt überall: „Dr. Klinkenberg hat mit zwei Kügelchen meine Warzen weggemacht.“ Sieben Wochen nach der Einnahme entzündet sich auch die letzte sehr große Dellwarze am Rücken und verschwindet.

Paula war zu Beginn der Behandlung extrem weitsichtig. Innerhalb von 6 Monaten verbessert sich ihre Sehkraft von 11 auf 1 Dioptrie! Die Hände sind nicht mehr schweißig. Paula macht einen großen Entwicklungssprung und ihre Nahrungsunverträglichkeit verschwindet.

Zusammenfassung

Eine Gabe Tuberkulinum hat zur Heilung gereicht. Aber das ist eine Ausnahme. Normaler­weise kann ein Homöopath bei Tuberkulinum nicht mit seltenen Gaben arbeiten, wie Sie es vielleicht bei anderen Behandlungen gewohnt sind. Das tuberkulöse Miasma ist hartnäckig. Es geht nicht leicht aus dem Körper. Geben Sie Tuberkulinum häufig, C- Potenzen alle 10 Tage oder einmal pro Woche, Q-Potenzen zweimal pro Woche. Und wiederholen Sie das Mittel später in größeren Abständen. Boericke hat in seinem Handbuch schon darauf hingewiesen, er schreibt: „Tuberkulinum braucht bei Kinderkrankheiten häufigere Wiederholungen als beinahe jedes andere chronische Mittel.“ Bacillinum wird direkt aus tuberkulösem Lungengewebe herge­stellt und wirkt oft stärker als Tuberkulinum. Achten Sie darauf, dass das Bacillinum, das sie nehmen, wirklich auch so hergestellt wurde, in der Qualität gibt es große Unterschiede.


2. Fall 

Der 19 Monate alte Ben hat seit drei Wochen eine Pneumonie, die nicht ausheilt. Er hat im Krankenhaus schon zwei verschiedene Antibiotika bekommen und bekommt 4 mal täglich Inhalationen mit Cortison und Salbutamol. Hier ist das Röntgenbild:

Es ist die 4. Lungenentzündung innerhalb von 8 Monaten. Sie begann wenige Stunden nach einer Meningokokkenimpfung. In der Klinik will man jetzt eine Broncho­skopie machen. Aber die Eltern lehnen die Broncho­skopie ab und kommen in homöo­pathische Behandlung.

Bens aktuelle Symptome sind: Große Schwäche, ständiger Husten, er ist blass, hat Ringe unter den Augen, rote Lippen, und die akute Pneumonie heilt nicht aus. Ich gebe am 6.10.2008 zuerst Sulfur. Die Symptome bessern sich. Dann stagniert die Besserung und ich gebe 4 Tage später Arsen. Mit Ars. gehe ich noch einmal zurück auf das Mittel, das die Pneumonie in ihrem Anfangs­stadium abdeckt. Die Pneumonie heilt innerhalb von 3 Wochen aus. Ben hat wieder mehr Energie, sein Appetit ist besser.
Aber: Ben hustet immer noch sporadisch. Er ist immer noch etwas blaß und seine Lippen sind wieder rot geworden. Sein Zustand ist nicht wirklich stabil. Seit 8 Monaten hat der Junge eine Pneumonie nach der anderen. Diese Anfälligkeit muss geheilt werden. Das sind seine chronischen Symptome:

Wenn er zornig ist, schlägt er seinen Kopf gegen den Boden oder die Wand – ein auffallendes Tuberkulinum-Symptom! Selbst wenn ich eine Anamnese bei einem 10-jährigen mache, frage ich immer nach diesem Symptom, wenn ich eine tuberkulöse Belastung vermute.
Knieellenbogenlage. Ben hat auffällige Essensgewohnheiten: Er ißt sehr gerne Nudeln, besonders ohne Soße, wie Paula im ersten Fall. Er hat ein auffälliges Verlangen nach kalter Milch, ißt kein Obst und Gemüse und kein Fleisch. Wenn er weint, läuft ihm grüner Schleim aus der Nase. Er hat Alpträume. Ben ist eigensinnig und er versucht immer, seinen Kopf durchzusetzen. Er hat gezähnelte Zahnschneiden – alle diese Symptome sind typische Tuberkulinum-Symptome.

Die erste Pneumonie hatte Ben wenige Wochen nach einer 6-fach-Impfung. Die aktuelle Pneumonie begann wenige Stunden nach einer Meningokokken­impfung. Die Impfungen haben also wahrscheinlich zur Entstehung der Krankheit beigetragen. In der Familie gibt es gehäuft Lungenerkrankungen –  der Vater hatte als Kleinkind zwei schwere Lungenentzündungen und der Großvater litt unter einem hartnäckigen chronischen Husten. Auch Bens Eltern sind genau wie bei Paula im ersten Fall beide BCG geimpft!

Mittelwahl & Verlauf

Das auffällige Kopfschlagen, die Knieellenbogenlage, Befunde wie die roten Lippen und gezackten Zähne, seine Ernährungsauffälligkeiten und die tuber­kulöse Vorbelastung der Eltern indizieren klar Tuberkulinum.

Das ist die Repertorisation:
Ich gebe Ben erst Tuberkulinum Q4 und Q6, später Tuberkulinum XM, 6 Wochen lang einmal pro Woche. Darunter verschwinden im folgenden Jahr das Kopfschlagen, die Zornanfälle, seine Alpträume, die Röte der Lippen und die Infektanfälligkeit. Ben bekommt keine Pneumonie mehr. Das ist das Röntgenbild nach der Behandlung:

Vererbung der TBC

Paula und Ben kommen aus Familien mit tuberkulöser Vorbe­lastung und haben Symptome von Tuberkulinum entwickelt. Paula im ersten Fall hatte eine starke tuberku­löse Belastung durch die TBC ihres Großvaters und die BCG-Impfungen ihrer Eltern. Vorbelastung heißt, dass der krankmachende Einfluss der TBC auf Paula übertragen wurde. Ben hatte eine tuberkulöse Belastung durch die BCG-Impfung seiner Eltern.

Die TBC hat die Kraft, den Organismus mit einer bleibenden Störung zu hinterlassen:
Unsere Vorgänger Burnett [11], Nebel [27], Boger und Farrington [39], Vannier [40], Foubister [13], Tyler [38] und viele andere haben dieses Phänomen beschrieben. Sie haben beobachtet, das eine konventionell behandelte TBC nur geheilt scheint, aber den Körper nicht verläßt. Es sieht so aus, als wäre sie geheilt. Aber sie bleibt im Körper und hinterläßt ihn mit einer chronischen Störung und Krankheits­anfälligkeit. Sie haben auch beobachtet, dass diese Störung über mehrere Generationen vererbt wird!
Deswegen leiden gerade heute sehr viele Kinder an vererbter TBC.

Woran erkennt man das? Man erkennt es durch die wiederholte klinische Beobachtung, dass Nachkommen, die eine tuberkulöse Belastung haben, ganz bestimmte Folge­krankheiten entwickeln.
In erster Linie: Allergien – wie Heuschnupfen, Hausstaub- oder Nahrungs­mittelallergien. Hautkrankheiten wie Neurodermitis und Ekzeme. Infektan­fälligkeit (rez. Angina, Bronchitis, Otitis). Oder Verhaltensauffälligkeiten wie Wutanfälle, Schlagen, Ängste, Konzentra­tionsprobleme, Unruhe. Diese Krankheiten entstehen oft auf dem Nährboden der vererbten TBC.

Epigenetik

Ich wollte wissen, durch welchen Mechanismus der tuberkulöse Einfluss weitergegeben wird. Margret Tyler spricht von einer Ansteckung, die durch mehrere Generationen hindurch „gefiltert“ wurde [38]. John Henry Allen nennt es „hereditary transmission“, vererbte Übertragung [3].
Die Epigenetik bietet ein Erklärungsmodell. Unsere Erbinformation ist in den Genen der DNA festgelegt. In der alten Vererbungslehre, der Genetik, werden nur die Gene weitergegeben. Es gibt aber noch einen zweiten Verer­bungs­weg, die Vererbung von Gen-Aktivitäten:

Die Epigenetik erforscht die Veränder­ungen von Aktivitätszuständen der Gene, die nicht auf einer Veränderung der DNA beruhen.[3] Die Aktivität der Gene wird durch ihre Chromatin­struktur bestimmt. Die Chromatinstruktur wiederum wird durch DNA-Methy­lierung und durch Modifikation der Histone beeinflußt. Die Histone sind Proteine, die das Stützgerüst der DNA bilden.[4] [21]
Tierversuche und Studien belegen, dass nicht nur die Gene, sondern auch Veränderungen der Chromatinstruktur vererbt werden. Krankheiten können Gene aktivieren oder deaktivieren.[5]
Diese Modifikationen werden als Muster im Genom verankert und können von einer Zell­gener­ation zur nächsten weitervererbt werden. [5, 24, 29, 34]

Die Vererbung von Gen­mustern ist eine Erklärung für die Beobachtung, dass Infektionskrankheiten wie Syphilis oder TBC bei den Nachkommen chronische Störungen hinterlassen. Nach diesem Modell sind die Miasmen erworbene, epigenetisch fixierte, aber reversible Gen-Muster im Genom eines Menschen.[6]


3. Fall

In manchen Fällen können wir eine vererbte TBC nur vermuten, weil die Angehörigen nichts von einer TBC der Vorfahren wissen. Wie im Fall der 9-jährigen Vera:

Vera kommt im Mai 2005 in Behandlung. Sie ist anderen Kindern gegenüber dominant und rechthaberisch und erteilt Befehle an ihre Spiel­kame­raden. Dieses Verhalten zeigt sie schon seit vielen Jahren, aber seit einem Jahr wird es zunehmend untragbar. Sie ärgert andere Kinder, v.a. wenn sie sie nicht kennt, und sie schlägt andere Kinder. Vera will immer Gesellschaft haben, möglichst viele um sich versammeln und im Mittelpunkt stehen. Sie faßt gerne andere Menschen an und hat kein Maß für die Grenzen. Sie merkt auch nicht, wenn ein Kind nicht mit ihr spielen will. Die anderen Kinder „schneiden“ sie, und Vera hat jetzt keine Freunde mehr.
Vera ist immer in Aktion, sie muss immer irgendetwas machen. Sie hat viele Ideen und Phantasien. Sie ist schnell beleidigt und wird wütend schon wegen Kleinigkeiten. Wenn sie wütend ist, schmeißt sie ihr Kopfkissen oder einen Gegenstand gegen die Wand.

Ihre körperlichen Symptome sind:
Polypen in den Nasennebenhöhlen, vergrößerte Mandeln. Sie hat das Gefühl eines Klumpens im Hals. Vera trinkt nur Kaltes und sie hat Verlangen nach sauren Dingen. Sie hat Angst, dass Gespenster in ihr Zimmer kommen und sie entführen. Manchmal hat sie Alpträume. Als Kleinkind hatte sie Neurodermitis.

Mittelwahl

Fast allebisher genannten Symptome sind Tuberkulinum-Symptome.
In einem solchen Fall benutze ich kein Repertorium, sondern ich schlage nur einzelne Symptome wie den Klumpen im Hals und das Verlangen nach Gesellschaft in der Materia medica nach. Eine TBC in der Familie ist nicht bekannt. Aber es gibt Hinweise darauf:
Einen Fall von Lungenfibrose, einen Lungen­krebs. Veras Mutter hatte jahrelang Eierstock­zysten, die nach Gabe von mehreren Mitteln durch Tuberkulinum geheilt wurden.

Verlauf

Ich gebe Vera 2 Glob. Tuberkulinum C1000. Das Dominieren-Wollen, Schlagen, die Alpträume und der Klumpen im Hals verschwinden durch diese Einmalgabe innerhalb von 3 Wochen.
Nach einem Jahr wird Vera wieder rechthaberisch; sie erteilt wieder Befehle und kommandiert andere herum. Sie bekommt wieder Tuberkulinum M und 6 Monate später Tuberkulinum XM. Danach verschwindet ihre Verhaltensstörung dauerhaft.

Tuberkulinum ist natürlich nicht das einzige Mittel, um eine vererbte TBC zu heilen. In den meisten Fällen sehen Sie bei der Ausarbeitung, dass den Symptomen außer der TBC-Belastung noch ein anderes chronisches Mittel zugrunde liegt, z.B. Sulf., Calc., Sil., Phos. oder auch Puls.
Nach meiner Erfahrung sind beide Wege möglich: Sie können erst mit der Nosode beginnen und die Bahn für ein dahinter­­liegendes chronisches Mittel frei machen. Oder Sie beginnen mit einem Mittel wie Sulf. oder Calc. und verwenden Sie Tuberkulinum als Zwischen- oder Reaktionsmittel. Es gibt nämlich auch Kinder, die Tuberkulinum oder Bacillinum am Anfang der Behandlung nicht gut vertragen und damit überfordert sind.

Wichtige Komplementärmittel in akuten Fällen sind Phos., Sang. und Tub. selbst. Achten Sie auf Sanguinaria, es ist kaum bekannt in diesem Zusammenhang. Sang. ist ein Mittel für Lungen-TBC. Es ist auch ein hervorragendes Mittel, wenn ein Patient mit tuberkulöser Belastung einen hartnäckigen Reizhusten hat, der nach einer Grippe oder Erkältung wochenlang einfach nicht weggehen will.

BCG Impfung

Die Eltern der beiden ersten Kinder, Paula und Ben, wurden beide BCG-geimpft. Die BCG-Impfung wurde bei uns zwischen 1970 und 1995 in großem Umfang eingesetzt. Es wurde immer noch derselbe Impfstoff verwendet, der schon 1921 entwickelt worden war. 1998 wurde die Impfung wegen der nicht sicher belegten Wirksamkeit und häufiger, zum Teil schwerer Neben­wirkungen, aus dem Impfplan genommen. [31]
BCG ist ein abgeschwächter Rinder-TBC-Bazillus. Es ist eine Lebendimpfung, das bedeutet, dass der Organismus durch die Impfung mit lebenden TBC-Bakterien infiziert wird.[7] Der Tuberkulin-Test wird signifikant positiv. [1, 14, 26, 37]  Das ist ein Zeichen für das Vorhandensein von TBC, entweder in der aktiven oder in der latenten Form. [22, 32]  Die Infektion mit TBCist das Entschei­dende. Nicht die Virulenz der Bakterien!


Ich habe sehr oft beobachtet, dass die BCG-Impfung chronische Störungen auslöst. Diese Störungen werden an die Kinder weiter­gegeben. Wenn die Eltern die BCG- Impfung bekommen haben, bekommen die Kinder die typischen Folgekrank­heiten wie Verhaltensstörungen, Hyperaktivität oder Infekt­anfälligkeit.[8] Das tuberkulöse Miasma entsteht also durch:

Die Infektion, die vererbte Infektion, die BCG-Impfung, und die vererbte BCG-Impfung.

Ben und Paulas Belastung mit TBC nennen wir ein tuberkulöses Miasma. Ich sage bewußt tuberkulös und nicht tuberkulinisch. Die TBC-Infektion ist, wie der Name es sagt, tuberkulös. Der Begriff „tuberkulinisch“ oder „tuberkulinisches Miasma“ suggeriert, dass hier nichtganz konkret eine Ansteckung mit TBC-Bakterien gemeint ist. Sondern Symptome, die der TBC oder der Arznei Tuberkulinum ähnlich sind. „Tuberkulinisch“ ist ein unscharfer Begriff. Klare Begriffe sind wichtig, sonst wird alles beliebig. Ein tuber­kulöses Miasma ist nichts anderes, als die chronische Folge einer realen direkten oder indirekten Infektion mit TBC.


In meinem letzten Fall zeige ich Ihnen die Auswirkungen einer direkten BCG-Impfung: 

4. Fall

Am 9.03.2001 kommt der 8jährige Tobias mit ausgeprägter Hyperaktivitäts­störung in meine Praxis. Die Symptome wurden zunehmend auffällig, als er 2 Jahre alt war. Die Eltern berichten, Tobias ist sehr unruhig, er kann nicht ruhig sitzen. Er ist nervös und wechselhaft. Er kann sich schlecht konzentrieren: Für vieles interessiert er sich mit Feuereifer und kurz darauf hat er es vergessen. Tobias ist sehr sensibel. Er nimmt sich vieles sehr zu Herzen, wie z.B. einen Bericht im Fernsehen über ein ermordetes Kind. Manchmal zieht er sich in ein kindliches Gehabe und Verhalten wie ein Baby zurück. Das ist ein Symptom, das ich oft bei Tuberkulinum beobachte, merken Sie es sich unbedingt – Verhalten wie ein Baby. Oder er spielt den Kasper und hat ein großes Mund­werk.

Tobias hat blühende Phantasien von Monstern und gruseligen Geschichten. Wie Paula in meinem ersten Fall hat er Alpträume: Er sieht Menschen als Leichen. Er bringt einen Räuber um. Ein Mörder, der immer größer wird. Dinge entfernen sich und kommen wieder zurück usw. Aus Angst steht er oft morgens nicht auf und ruft nach seinen Eltern.

Andere Symptome von Tobias sind:
Eine Störung der Feinmotorik beim Schreiben und Koordinations­probleme beim Turnen. Er macht ständige Bewegungen mit der Zunge. Großes Süßverlangen. Zweimal im Jahr bekommt er einen Husten oder eine spastische Bronchitis. Er schwitzt stark bei Anstrengung, besonders am Kopf. Und er hat auffallend rote Lippen und ein blasses Gesicht.

Äußere Zeichen von Tuberkulinum

Tuberkulinum hat ganz typische äußere Zeichen. Bitte achten Sie auf:
Auffallend rote Lippen. Gezackte Zahnschneiden (Med., Syph.). Die Kinder haben manchmal angeborene Anomalien, z.B. verschiedene Augenfarben oder einen Hodenhochstand. Die Handflächen sind meistens feucht. Oder der Haaransatz ist feucht seitlich oder am Hinterkopf. Die Absonderungen bei akuten Infekten sind ein weiterer Hinweis, Tuberkulinum hat oft grünliche Absonder­ungen aus der Nase oder den Bronchien, selbst der Eiter ist grünlich. Die Halslymphknoten und die Tonsillen sind fast immer vergrößert.

Vier Tage nach der Geburt bekam Tobias eine BCG-Impfung und 3 Monate später einen Tuberkulin-Test.
Der Tuberkulin-Test ist ein Intrakutantest mit gereinigtem Tuberkulin. Tuberkulin ist ein Filtrat einer sterilisierten Kultur von menschlichen TBC-Bakterien und enthält die Stoff­wechsel­produkte der Bakterien. Auch durch diesen Test wird der Körper mit TBC impräg­niert.
Tobias hatte mehrere 6-fach-Impfungen und die Masern-Mumps-Röteln-Impfung; er hatte dreimal einen Scharlach ohne Hautausschlag.

Der Kinderarzt diagnostiziert ein ADHS-Syndrom. Alle bisherige Therapien (Ergotherapie, Physiotherapie) waren erfolglos. Tobias soll in 2 Monaten in eine neurologische Spezial-Klinik eingewiesen werden.

Mittelwahl

Wegen der ausgeprägten körperlichen und geistige Unruhe, der roten Lippen und der BCG-Impfung vermute ich eine TBC-Infektion. Für die Fallanalyse verwendete ich die Repertorien von Murphy und Pennekamp, die viele klinische Tuberkulinum-Nachträge enthalten.[9]
Tuberkulinum findet sich in diesen Rubriken:

Achten Sie besonders auf die Rubrik „Impfung, Beschwerden„. Tuberkulinum ist hier im Murphy im 3. Grad und auch im Pennekamp. Dieser 3. Grad basiert auf Nachträgen zeitgenössischer Autoren.
Das ist wichtig: Tuberkulinum ist eine der besten Arzneien für die Folgen von Impfungen, obwohl Impfungen nicht direkt etwas mit TBC zu tun haben![10]
Es sieht so aus, dass Impfungen eine ähnliche Störung wie die vererbte TBC hervorrufen. Beide Einflüsse schlagen in dieselbe Kerbe. Gerade das Zusam­men­kommen dieser beiden Einflüsse ist heute ein großes Problem für die Gesundheit unserer Kinder!

Ich gebe Tobias Tuberkulinum C1000, 2 Kügelchen aufgelöst in etwas Wasser an zwei Abenden, und verbiete ihm Zucker. 4 Wochen später wiederhole ich die Gabe, diesmal pur. Direkt nach der Einnahme wird Tobias von Tag zu Tag ruhiger und konzen­trierter. Seine Eltern sagen den Kliniktermin ab. In den folgenden 2 Jahren entwickelt sich Tobias normal. Er ist nicht mehr hyperaktiv, hat keine Alpträume, keine Infektneigung und keine schweißigen Hände mehr.

Tuberkulinum hat tiefgreifend gewirkt.

Zusammenfassung

Paula, Ben und Vera litten unter den chronischen Folgen einer vererbten TBC-Infektion. Tobias wurde direkt durch die Impfung infiziert.

Die TBC führt heute weltweit die Statistik der tödlichen Infektionskrankheiten an. 2010 starben 1,4 Millionen Menschen an TBC. Im 2. Weltkrieg bis in die 50iger Jahre hatte fast jede Familie in Deutschland ein oder zwei TBC-Kranke. Auf diese Weise hatten viele unserer Vorfahren TBC. Sie geben das tuber­kulöse Miasma an ihre Nachkommen weiter. Auch durch TBC-Impfungen und Tuberkulin-Tests wird der tuberkulöse Einfluss übertragen. Das heißt, in der ganzen Welt haben wir Kinder und junge Menschen, bei denen alle diese Einflüsse zusammenkommen:

(1) Die Kinder tragen die erbliche Belastung ihrer Vorfahren.

(2,3) Sie haben die Belastung durch TBC-Impfungen und -Tests ihrer Eltern.

(4) Die Mehrfachimpfungen, die die Eltern als Kinder bekommen haben, machen chronische Störungen. Auch diese wirken sich auch negativ auf die Gesundheit der Kinder aus.

(5,6) Viele Kinder wurden selbst TBC-geimpft oder haben TBC-Tests bekommen.

(7) Unsere Kinder sind das letzte Glied dieser verheerenden Kette. Zusätzlich zu ihren vererbten Problemen werden sie mehrfach-geimpft.

Jeder dieser Faktoren kann eine chronische Störung auslösen, die mit Hilfe von Tuberkulinum oder anderen Arzneien geheilt werden kann. Wenn Sie das nächste Mal Symptome von Tuberkulinum oder Bacillinum beobachten, dann erforschen Sie, wo die reale Infektion bei den Kindern, den Eltern, Großeltern oder Urgroßeltern stattgefunden hat. Sie erhalten Informationen, die Ihre Mittelwahl sichern.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!


Fußnoten

[1] Eine starke Beziehung zu einem Nahrungs­mittel ist manchmal wichtiger, als das Verlangen oder die Abneigung selbst. Z.B: Eine auffällige Abneigung gegen Fleisch. Dann kann es sein, dass das passende Mittel in der Rubrik ‚Verlangen nach Fleisch‘ steht. Die Hauptsache ist die Beziehung zum Fleisch – ob negativ oder positiv ist weniger wichtig.

[2] Wenn ich eine solche tuberkulöse Belastung vermute, dann frage ich auch nach Krankheiten, die mit TBC und der Arznei Tuberkulinum in Verbindung stehen. Die häufigsten sind: Lungenerkrankungen im Allgemeinen: Asthma, rezid. Pneumonien usw. Allergien, Hautausschläge, besonders Neurodermitis. Eine Vorgeschichte von Infektanfälligkeit oder von anderen Tuberkulinum-typischen Symptomen wie z.B. Bettnässen. Angeborene Mißbildungen in der Familie, z.B. eine Mikrozephalie bei einem Geschwister­kind.

[3] Die Epigenetik erforscht die Mechanismen, mit deren Hilfe die Aktivitätszustände der Gene einer Zelle von einer Zellgeneration zur nächsten weitergegeben werden, ohne das eine Veränderung der Gensequenz geschieht. Siebefasst sich mit allen Vorgängen, die dazu führen, dass die codierte Information in einem Gen aktiv wird und einen bestimmten zellulären Prozess in Gang setzt [21: 137].

[4] Die DNA-Methylierung dient bei höher entwickelten Organismen der Markierung von aktiven und inaktiven Bereichen der DNA. Dabei versehen Enzyme (Methyltransferasen) den DNA-Baustein Cytosin an bestimmten Stellen im Genom mit einer Methylgruppe, die dies Genomabschnitte für Proteine, die das Einschalten der Gene übernehmen, unzugänglich machen. Durch die Stillegung von Genen durch Methylgruppen wird die Genaktivität verändert. Die Methylierung des Cytosins kann wieder rückgängig gemacht werden, ist also reversibel [21: 137].
Histone sind Proteine, die das Stützgerüst bzw. „Verpackungsmaterial“ der DNA bilden. Das Stützgerüst beeinflusst die Aktivität der einzelnen Gene. Die DNA ist um diese Proteine herumgewickelt und wie auf einer Perlenschnur aufgereiht. Zu jeder „Perle“, Nucleosom genannt, gehören 8 Histonenproteine und 147 Basenpaare des doppelsträngigen DNA-Fadens. Dieser Mix aus DNA und Histonen ergänzt mit anderen Proteinen ergibt das Chromatin, das Material aus dem die Chromosomen bestehen. Um wichtige Stellen zu markieren ist die DNA mit „Lesezeichen“ ausgestattet. Sie markieren, welche Abschnitte der DNA für bestimmte Aufgaben unentbehrlich sind. Diese molekularen „bookmarks“ hängen an den Proteinschwänzchen der Histone. Sie bestimmen die Eigenschaften des Chromatins ([21] und persönliche Mitteilung).

[5] Man kennt heute schon charakteristische Aktivitätsmuster der Gene für bestimmte Krankheiten [21: 138,141]. Z.B. konnte in einer humangenetischen Studie von Möller gezeigt werden, dass Mykobakterium tuberkulosis in die epigenetische Regulation der DNA eingreift [23].
Dabei kommt es auf der epigenetischen Ebene zu Störungen des Vitamin-D Stoffwechsels. Vitamin D unterdrückt das Wachstum von M. tuberkulosis. Epidemiologische Studien zeigen eine Beziehung zwischen Vitamin D-Mangel und erhöhter Empfänglichkeit für Tuberkulose (Wilkinson RJ, Lewelyn M, Toossi Z et al. (2000): Influence of vitamin D deficiency and vitamin D receptor polymorphisms on tuberculosis among Gujarati Asians in west London: a case-control study. Lancet 355; 618-621). Für 229 Gene wurde der Beweis erbracht, dass sie von Vitamin D mitreguliert werden.

[6] Die Miasmen bilden im genetischen Pool der Nachfahren eine Disposition für chronische Erkrankungen. Herbert Pfeiffer schreibt: „Die Miasmen Psora, Sykosis und Syphilis können… auch durch Vererbung weitergegeben werden. …Schon bei Säuglingen und Kindern treten psorische, sykotische oder syphilitische Krankheiten auf, ohne dass ein akutes Stadium durchlaufen wurde.“ (Pfeiffer, Lehrbuch der Kinderheilkunde).
Homöopatische Mittel können die durch längst abgelaufene Infektionen verursachten epigenetischen Prägungen löschen, sowohl beim früher infizierten Individuum, als auch bei dessen direkten und indirekten Nachkommen.

[7] Die Erkrankung bricht nicht aus, was typisch für die TBC ist: Die TBC ist eine komplexe chronische Infektion mit oft langer Latenzzeit. Viele Menschen weltweit tragen die Mycobacterien in sich, ohne jemals an einer manifesten TBC zu erkranken; nur etwa 10% aller Infizierten zeigen tatsächlich die Symptome der Krankheit. Nach dem Annual TB Status Report 2011 der indischen Regierung sind heute bis zu 40% der indischen Bevölkerung mit TBC infiziert (Government of India: TB India 2011, Revised National TB Control Programme. Annual Status report, S. 7)!

[8] Die chron­ischen Folgen der Impfung wie Allergien und Infektanfälligkeit wurden bis heute nicht systematisch z.B. mittels Studien untersucht und sind wenig bekannt.

[9] Die Nachträge im Kinderrepertorium von Pennekamp sind in der Mehrzahl klinische Erfahrungen der indischen Homöopathen P. Vakil und P. Prahlad (Mumbai) und des Autors selbst, ergänzt durch eine Materia medica von M. Burgess-Webster (H. Pennekamp, persönliche Mitteilung).

[10] Schon Burnett heilte die Folgen von Pocken-Impfungen oft mit Bacillinum. Es gibt eine Fülle von Hinweisen, dass Mehrfachimpfungen chronische Störungen machen können. Die Zunahme von Autismus z.B. von 1:10.000 auf 1:150 in den USA zwischen 1983 and 2008 parallel zur Zunahme der Impfungen; die Zunahme entzündlicher Darmerkrankungen nach MMR-Impfungen usw. [18,30].


Literatur

[2] Allen H.C.  The Materia Medica of the Nosodes with Provings of the X-Ray. Reprint Edition, New Delhi: B. Jain Publishers; 2002 (11910 Philadelphia, U.S.).

[1] Abrahams E W. Tuberculin hypersensitivity following BCG vaccination in Brisbane school children. Tubercle 1979; 109.

[3] Allen J.H.  Die Chronischen Krankheiten/Die Miasmen. Verlag Renee von Schlick, Aachen 1987, Seite 12.

[4] Allen J.H., zitiert aus: Seideneder, Heilmittelarchiv.

[5] Anway M.D., Cupp A.S., Uzumcu M., Skinner M.K.  Epigenetic transgenerational actions of endocrine disruptors and male fertility. Scince 2005; 308: 1466-1469.

[6] Barthel H., Klunker W.  Synthetisches Repertorium. Band 1-3. 4. Aufl., Heidelberg: Haug Verlag; 1992.

[7] Boger C.M.  A Synoptic Key To Materia Medica. Reprint Edition, New Delhi: B. Jain Publishers 1994 (11915 Parkersburg, U.S.).

[8] Boger C.M.:  Boenninghausen´s Characteristics And Repertory. Reprint Edition, New Delhi: B. Jain Publishers; 1995 (11905 Parkersburg, U.S.).

[9] Boocock R.  A Partial Proving of Bacillinum. Homeopathic Recorder 1892; No. 7: 261.

[10] Burgess-Webster M.  Tuberculinum. Homeopathic Recorder 1933; No. 3: 181-193.

[11] Burnett J.C.  The New Cure For Consumption By Its Own Virus. 4. Aufl. Reptint Edition. New Delhi: B. Jain Publishers 1998 (11890 London).

[12] Campbell N.  Proceedings of the International Hahnemannian Association 1909, zitiert aus: Seideneder, Heilmittelarchiv.

[13] Foubister D.M., zitiert aus: Genneper, Wegener 2001. 222 (15).

[14] Fourie P.B.  Patterns of tuberculin hypersensitivity in South Africa – Tubercle 1983; 64` 167.

[15] Genneper T., Wegener A.  Lehrbuch der Homöopathie. Heidelberg: Haug Verlag 2001.

[16] Herscu P., zitiert aus Seideneder, Heilmittelarchiv.

[17] Kent JT.  Kent’s Repertorium der homöopathischen Arzneimittel. Hrsg. u. Übers. G.v. Keller u. J. Künzli v. Fimelsberg. Bd. 1-3. 9. Aufl., Heidelberg: Haug Verlag, 1986 (11897 Lancaster, U.S.).

[18] Klinkenberg C.R.  Drüsentumor nach Mehrfach-Impfung – Calcium carbonicum. ZKH 2003; 47: 111-120.

[19] Klinkenberg C.R.  Dellwarzen, ZKH 2011; 55: 95-98.

[20] Klinkenberg C.R.  Zwei Tuberkulinum-Fälle, ZKH 2003; 47: 163-177.

[21] Mayer G.  Das Miasmenkonzept Hahnemanns im Lichte aktueller epigenetischer Forschung. ZKH 2009; 53: 136-142.

[22] Mckay A., Kraut A. et al.  Determinants of tuberculin reactitity amoung health care workers: Interpretation of positivity following BCG vaccination. Can J Infect 1999; 10: 134-139.

[23] Möller M., de Wit E., Hoal E. G.  Past, present and future directions in human genetic susceptibility to tuberculosis;  FEMS Immunol Med Microbiol 2010; 58: 3-26.

[24] Morgan H.D., Sutherland H.G., Martin D.I., Whitelaw E.  Epigenetic inheritance at the agouti locus in the mouse. Nat Genet 1999; 23: 314-318.

[25] Murphy  R: Homeopathic Medical Repertory. 2. Aufl. New Dehli:

B. Jain Publishers; 1998.

[26] National Tuberculosis Institute. Bangalore. Tuberculin leslmgm a partly vaccinated population. IndJTub 1992; 39: 149.

[27] Nebel A.  Bruchstücke einer Tuberculinprüfung. Zeitschrift des Berliner Vereins homöopathischer Ärzte. Hrgs. Windelband und Burkhard. Berlin: B. Behr´s Verlag 1900; 19: 295-303.

[28] Pennekamp H.  Kinder-Repertorium. 2. Auflage, Osten-Isensee: Pennekamp MDT-Verlag 1999.

[29] Rakyan V.K., Chong S., Champ M.E., Cuthbert P.C., Morgan H.D., Luu K.V., Whitelaw E.  Transgenerational inheritance of epigenetic states at the murine Axin(Fu) allele occurs after maternal and paternal transmission. Proc Natl Acad Sci U S A 2003; 100: 2538-2543.

[30] Ramsey, Maffatt, O´Connor  Measles vaccine: A 27-year follow-up, Epidem. Infect. 1994, 112: p. 109-412

[31] Rieder H., Zellweger J.P., Quadri F.D., Desgrandchamps D.  Früherfassung und Behanldung der Tuberkuloseinfektion – BCG-Impfung. Schweiz Med Forum 6/2003; 23: 537.

[32] Rose D.M., Schcter C.B., Adler J.  Interpretation of the tuberculin skin test. J. Gen Intern Med 1995; 10: 635-642.

[33] Roy R., persönliche Mitteilung.

[34] Ruden D.M., Xiao L., Garfinkel M.D., Lu X.  Hsp 90 and environmental impacts on epigenetic states: a model for the trans-generational effects of diethylstibesterol on uterine development and cancer. Hum Mol Genet 14 Spec 2005; 1: 149-155.

[35] Schroyens F.  Synthesis 10.0 treasure edition, 2010.

[36] Seideneder A.  Heilmittelarchiv Bd.1 (Bacillinum), Bd. 6 (Tuberkulinum). Aufl., Kandern: Narayana-Verlag; 2008.

[37] Tuberculosis Prevention Trial, Madras: Trial of BCG Vaccines in south India for tuberculosis prevention. Indian J Med Res 1980; 72 (suppl.): 1-74.

[38] Tyler M.L.  Homöopathische Arzneimittelbilder, Göttingen 1993; 789 (zitiert aus: Genneper, Wegener 2001; 222).

[39] Underhill E.  Bemerkungen zu den Nosoden. Dt.J.f.Hom. 1991; 1: 15,16 (aus HRC 1929; 79).

[40] Vannier L.  Les Tuberculiniques et leur Traitment Homeopathique, Paris 1947.

[41] Vithoulkas G.  Complete Repertory Millenium Edition 2000 (zitiert aus: Seideneder, Heilmittelarchiv).


Die Kasuistik als Verifikationswerkzeug

Dr. Carl Rudolf Klinkenberg, Vortrag auf dem 8. Internationalen Coethener Erfahrungsaustausch (ICE) am 21.11.2008 in Köthen

 

Ich begrüße Sie, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Ich spreche über „Die Kasuistik als Verifikationswerkzeug“.
Der Begriff „Verifikation“ leitet sich vom Lateinischen ab. „Verificare“ heißt „die Wahrheit erweisen“. In der Homöopathie spricht man von Verifikation, wenn ein Symptom, das in der Arzneiprüfung auftrat, bei einem Kranken geheilt wird. Wenn also das Prüfungssymptom den Praxistest besteht. Mit Verifikationen verbessern und erweitern wir die Materia medica.

So läuft das ab:

Verifikation

 – A
        – B
            – C
                – D
Patient hat Symptome A, B, C, D.
⇒ Arznei X.
Symptom B Verschwindet.

Ich habe einen Patienten mit den Symptomen A, B, C und D. Ich gebe die Arznei X und das Symptom B verschwindet dauerhaft. Das bedeutet, ich habe das Symptom B durch die Arznei X verifiziert, vorausgesetzt, es ist ein Prüfungs-Symptom der Arznei X.

Ein Beispiel aus meiner Praxis

Frau A., 37 Jahre, 21.6.2001

♦Magenbeschwerden
       ♦ „Klumpen im Magen“
          ♦ Heisshunger
               ♦ Frostig
                   ♦ Traurig
                    ♦ Nase verstopft

Frau A., 37 Jahre, hat seit drei Jahren ständige Magenbeschwerden, sie hat das Gefühl eines Klumpens im Magen wie ein schweres Gewicht oder einen Stein. Dieses Gefühl wechselt mit Heißhunger ab. Seit zwei Jahren ist sie verfroren. Oft traurig in letzter Zeit. Verstopfte Nase.
Die Magenbeschwerden sind Prüfungssymptome von Sepia:

S. Hahnemann, Die chronischen Krankheiten (CK)

Sepia

Schmerz mitten im Bauch…; es lag da wie ein Klumpen fest… (CK5, Nr. 666).

Drücken auf den Magen, wie von einem Stein. (Nr. 603)

Gefühl wie von einer Last im Bauch, beim Bewegen. (Nr. 665)

Aufgrund der Gesamtheit ihrer Symptome gebe ich Frau A. Sepia Q3.
In den ersten drei Wochen verschwinden die Traurigkeit und die Frostigkeit. Unter Sepia Q6 und Q9 heilen die Magenbeschwerden und die anderen Symptome vollständig innerhalb der nächsten fünf Wochen. Nachbeobachtungszeit sechs Jahre.

Frau A., 37 Jahre, 21.6.2001

Magenbeschwerden
       „Klumpen im Magen“            ⇒ Sepia Q3 (Zinsser)
           Heisshunger                         ⇒ Sepia Q6, Q9
               Frostig
                   Traurig
                   Nase verstopft

Die Empfindung eines Klumpens im Magen wie ein Gewicht oder Stein wurde für Sepia verifiziert. Durch wiederholte Verifikation steigt das Symptom in seiner Wertigkeit im Repertorium. Im Kent, im Synthesis 9 und im Complete steht Sepia bisher zweiwertig in der Rubrik „Magen, Empfindung eines Klumpens“ (stomach, lump, sensation of, K 504) und nur einwertig unter „Magen, Empfindung eines Steins“ (stomach, stone, sensation of, K 527):

Bild1Bild2

 

Dennoch ist dieser Fall keine besondere Verifikation. Ich bin überzeugt, dass Sepia für dieses Symptom schon hunderte Male verifiziert worden ist. Der Fall zeigt nur, dass wir keine Kultur mit Verifikationen haben, sonst stände das Symptom heute schon dreiwertig im Repertorium. Wir sind bei den Verifikationen auf dem Stand von Kent stehengeblieben!

Für eine Verifikation muß das Mittel den Patienten nicht endgültig geheilt haben. Es müssen auch nicht alle Symptome verschwinden. Verifikation heißt, dass das Mittel ein oder mehrere Prüfungssymptome eindeutig weggenommen hat.

Hierzu eine Kasuistik von E.E. Case:

CaseEine dunkelhaarige Witwe, 64 Jahre
alt, hatte seit einigen Jahren
Husten…
Der Auswurf ist grün mit salzigem
Geschmack.
Nach dem Husten fühlt sich die
Brust schwach und leer an. …
Sie erwacht morgens mit
reichlichem Schweiß, schwach
und erschöpft.

Some Clinical Experiences of Erastus E. Case, 1991, S. 180

 

 

29.03.1913: Eine Dosis (ein Pulver) Stannum M von Boericke & Tafel.
18.05.1913: Der Husten ist verschwunden und sie kommt schnell wieder zu Kräften.

Im Kent Repertorium ist Stannum bei den Symptomen hochgradig vertreten: Grünlicher Auswurf – dreiwertig; salziger Auswurf – zweiwertig; Leeregefühl der Brust, Schwäche in der Brust und Schwäche in der Brust nach Husten sind jeweils dreiwertig im Kent.
Diese spezifischen Husten- und Brustsymptome von Stannum wurden in diesem Fall erneut verifiziert.¹
Aber: Die Patientin ist noch nicht geheilt. Sie hat neue Symptome, ein schwaches, nagendes Gefühl im Magen um 11 Uhr, und Verstopfung mit vergeblichem Stuhldrang:  Eine Dosis Sulfur M heilt die restlichen Symptome.

Stannum hat nicht die ganze Krankheit geheilt. Für eine Verifikation muß es das auch nicht! Unterscheiden Sie zwei Dinge:

(1) Einzelne Symptome einer chronischen Krankheit werden im Behandlungsverlauf eindeutig verifiziert.
(2) Eine chronische Krankheit wird über Jahre mit einem oder meist mehreren Mitteln geheilt.

Das relativiert Fragen wie: „Was ist Heilung?“ „Bedeutet Heilung, dass alle Symptome des Kranken geheilt sind?“ „Bedeutet Heilung, dass er auf Jahre nie wieder chronisch krank werden darf?“ usw.

Sie sehen: Verifikationen werden als Kasuistiken vorgestellt. Ich nenne Ihnen heute die Angaben, die eine Kasuistik meiner Meinung nach enthalten muß, damit man sie als Verifikation verwerten kann.

Die Verifikation in der Literatur

Welche Angaben der Fallbericht enthält, variiert je nach Epoche und Autor. Es gibt seitenlange Fälle wie dieser hier von Carlos Cámpora, der über sieben Seiten Din-A-4 Seiten geht, mit einer sehr ausführlichen Darstellung der Geistes- und Gemüts¬symptome – oft in den eigenen Worten des Patienten -, einer Darstellung der Allgemeinsymptome, mit Angaben zur Vorgeschichte, eine detaillierte Fallanalyse, Repertorisation und Differentialdiagnose der Arzneien, ein ausführlicher Verlauf.

C. Cámpora

CámporaEin Fall von Schizophrenie und seine Heilung mit Cenchris contortrix (ZKH 2/2007 Bd. 51)

This paper is a shortened version of the ideas presented by Dr. Cámpora at the 60th LIGA-Congress in Berlín on May 2005. Upon the request of the editor of the magazine, one case out of seven is presented and analyzed in more depth. The research based on high-quality case reports is one of the most useful tools to understand and improve the outcomes of homeopathic prescriptions. Since before Hippocrates’ times, the report of clinical cases has been a valuable source for medical teaching and research [7]. Along with the appearance of the Evidence Based Medicine (EBM) and its focus on the controlled and randomized clinical assays, the reporting of cases started to be considered the lowest step in the knowledge pyramid of the EBM [12]. Therefore, it is not in fashion, so to speak, to base the practice of the medicine in the knowledge arising from cases. However, our homeopathic practice, as well as the pathogenetic research has been historically based on the information obtained from cured cases which allow the clinical verification of known symptoms and, also, recognize new symptoms.

I believe that homeopaths need and must go on making case-based-research, but we must concentrate our efforts in the research of  high-quality cases, because these cases, actually are one of the most useful tools to understand and improve the outcomes of the treatment, and to deepen the knowledge of our materia medica. To account for this position, this paper presents a severe case in one of the most challenging and difficult areas for the homeopathic physician, as is homeopathic psychiatry. The presented case has been incorporated to BRECHA (Banco de Reporte y Estudio de Casos Homeopáticos de Argentina) Report and Study Casebank of Homeopathic Cases of Argentina. [1], which requires a rigorous standard of presentation, documentation and assessment of outcomes. At the homeopathic casebank of BRECHA, principles of qualitative research such as independent review are used: Consultations are videotaped and a full transcription is made; the latter records such details as pauses, gestures and facial expressions. Transcriptions are performed by an independent person. The data for each patient are highly documented (see Tab. 1) and are obtained from multiple and different sources (Tab. 2). All cases are subjected to a two-independent peer review.  Of herself, she says: “I’m very happy, I make jokes all the time … very responsible, exaggeratedly. I was raised to win a prize in everything, to be perfect. Of the others, I do not expect perfection but the minimum, and I assess with the response if they love me as I love them or, at least, I assess that, how they love me with their response … If there is no response, I start disregarding them, as if they do not occupy the same place as they would; before, I would call them and reproach; I would call them with anger, because I felt neglected, abandoned. Has this happened in other circumstances in your life? Yes. When? Well, when my dad would go out of the hooouse (her voice starts to break) … abandonment, abandonment but the whole time … Ah! Yes, please, tell me. (She cried; there was a long pause) My father used to slam the door and went out of my house, that was all the time.

What did you feel? (She cried) No, I cannot describe that because … (crying) Look, you can do it because you are feeling that now. (Pause) I am moved, but I want to see myself there, a little girl, and in that place (crying), and that was death (she weeps with grief) Why was it death, dear? Because he was my father. So, did he slam the door angrily? Yes (her voice can be barely heard upon answering) Did he go out? Yes. (barely audible) And what did you do? I remained alone (crying) saying that we would no longer come back … So, being alone was to be how? Without anything, it’s like, I was very poor, and my house was a great burden at that time; the house was sad, it was, let’s say, dirty, ugly, the place that I had, I could say, was even wet, it didn’t give me health, and when I was little I was always ill, I didn’t eat, I was inappetent, I was anemic … So he used to slam the door and went out … that he would never return and I was alone …? Without …. Without what …? I see myself very tiny, and I cannot say without, without what … because I know what I was, without my father, without the security, let’s say, nothing was certain at that time. He hugged me, he made me sleep, he held me in his arms, he pampered me, he defended me from my sisters … I don’t know if my sisters were different from me, well, the security, I don’t know, the love, all the love, the affection, everything, everything went away (pause) and (she remains in a position in which she hugs herself tight, holding herself, with both arms crossed).

Fears of things to be definitive; she believes a word or a situation defines something. For example, the death of her mother, or her own death, or that she will never get married or that she will not have children;  very intense fear that somebody made her something inside her body; for example, doctors’ ligation of tubes or that she has been stolen an embryo and that she may have had a child without her knowledge. Another fear her father may have been killed. She hears voices, of her boyfriend or  voices naming her niece. She was a bad student at University, she had to re-attend subjects and did badly at the exams. Before them, she became ill and when she was a child, during all the elementary school, she had vomits before leaving for school. …But now these ailments do not appear in stressful situations. She is sensitive and she feels hurt if she sees a child in the street, in a pitiful situation, and so does she if she sees an abandoned little dog going around in the street.

Physical examination: without abnormalities. Past history: recurring upper airways infections in childhood and adolescence; coxalgias; cervical arthrosis. Family Antecedents: not significant.

C. Cámpora …Ende

videotaped and a full transcription is made; the latter records such details as pauses, gestures and facial expressions. Transcriptions are performed by an independent person. The data for each patient are highly documented (see Tab. 1) and are obtained from multiple and different sources (Tab. 2). All cases are subjected to a two-independent peer review.  Table 2: Sources of documents of patient´s data.-  Physician’s notes.-  Prior medical records.-  Testimonies of relatives, teachers,friends.-  Testimonies of other physicians-  Complementary measurements (laboratory, Peak-flow)-  Physical measurements. The two messages I intend to convey here are: 1. To emphasise that a high-quality cured clinical case represents a homeopathic evidence and homeopathic proof and also the best manner to teach and learn homeopathy. 2. To demonstrate that severe cases traditionally considered incurable in psychiatry are likely to improve and cure with homeopathy.Case of SchizophreniaMrs. P., a 46-year-old woman, single, without children, agronomic engineer, teacher, with psychiatric leave which started six months ago. She consulted me at Fundación Médica Homeopática Vitalis Educational Office on November 29th, 2001, referred by her homeopathic doctor due to the lack of response to the treatments she gave her. Presenting complaints were: 1. Schizophrenia with 25 years of evolution. She suffered a crisis 6 months ago, of which she has not yet recovered, and has shown a recurring pattern since she was 21, at a rate of several crisis each year. 2. Pain in the left shoulder which irradiates to the upper limbs and homolateral hand, with numbness of the hand, which evolving for 11 months and that persists despite the diverse treatments performed (allopathic, kinesiological, and homeopathic). She had performed 25 years of allopathic treatment with different drugs (Tioridazon, Trifluoperazin, Haloperidol, Risperidon, Diazepam etc.) and different psychological approaches with several therapists, plus 10 years of homeopathic treatment, but the crisis went on and she had been hospitalized three times for acute episodes. The day before she consulted, she had been directed to increase gradually Risperidon from 6 to 9 mg per day. The patient says (verbatim): “Well, when I was working … my pathology started closing … we could say … I have tended to fall, many times, in a sort of … what some call “accelerations”. I start building up a lot of pressure … and start, how could I say? with persecution disorders, we could say … but that I reason a lot; I write down things that I see and that happened to me, and I use a lot my intellectual side. Currently I have already completed four or five copybooks; now, I have stopped writing; there are things that frighten me and, well, it’s like it stopped. I commented Dr. … that, sometimes, I get mute, mute in the sense that I could recognize or associate everything through my sight; so, now, there is a sort of assembly of these and I can interpret gestures and they coincide … now I am sort of all right … I am, that is, reasoning these type of coincidence that, at the time of crisis, bring me that surprise, that fear. Now, I carry them with me but sort of in a parallel way. For this reason, I do not want to be asleep because now my risperdone has been increased…”In the last 11 years, the use of antipsychotics has been continuous but the outbreaks still occur; the beginning of her ailment coincides with her first sexual relation when she was 21 years old. Here, her speech lost coherence, confusely and mixing ideas, she tells me that three months ago, in a trip to Salta, when she arrived at her hotel room, she saw that in it, there was the same picture on the wall as when she had sexual intercourse with her boyfriend, when she was 21. That she felt that, from the plane, she was being taken to somewhere else and that, when she made a complaint on the phone, she heard that the answering voice was that boyfriend’s, and that at the hotel she was being moked at, and she was told “my sweetie” or “divine”, but that it was her boyfriend’s voice the one which said that. Therefore, she refused to get out of her room, she even ate in there, she did not understand what was happening to her, she felt that everything had been plotted against her and she started her mutism, and she said that she found a hundred pesos in her room and that she felt that she was being harassed with proposals, that someone was about to get into her room to have sexual intercourse with her, and that she felt very bad, forced. She wanted to find her ex boyfriend, but not in that situation, that she felt as if “we will give a hundred pesos to sleep with him”. And she heard his voice on the phone, as if he spoke to her, as when she had a relationship with him many years ago and he used to say that she was his slave, and in this trip she says: “it is as if we, the slaves, were going to Africa”, and she felt that she was like a slave that was subjected to himShe remembers that, in her relationship with him, he had a very marked tendency to make her feel inferior in public. She belonged to a lower social class and he made her notice this, and she felt diminished wherever they went because he hid her; and so she felt like a whore. She says that she remembers images, where she felt that it was then when she lost everything, a boyfriend with whom she had been going out for 4 years, her spontaneity. She even changed her character, she quarrelled with her father, who humiliated in front of him treating her as a whore; she blames her father for the breakup of her couple, and she never forgave him for this and harboured “the rancour of my life”. She thinks that even today this boyfriend can be her match and that he loves her; she feels that he watches her, he accompanies her from somewhere and, although she never saw him again, she hears his voice and she feels touched by this. She says that she has heard that voice in passengers, in hosts of TV sports programmes, in international tennis matches; that his voice “envelopes me and makes me feel by his side, and that she fears that people may imitate his voice and she may say “yes” and can be taken to a place she does not wish to go.Recurring dreams: packing suitcases, go away and know places, watch landscapes, cathedrals, watch the tiles of the buildings, monasteries and domes, also inside, even while doing relaxation she saw the painted domes of a church and dreams of faces that tell her that they are angry and reproach her. Desires: fruits; condiments. Perspiration: nates and between the thighs excessively.  Sensitive to cold.  She says: “I feel that any garment around my neck strangles me, not during the day but, if at night I have something it’s like it bothers me, here, in this place, it makes me feel something like disgust if it is tight (she points out her larynx) and I feel I want to vomit. Another tight-fitting garment? I prefer not to use tight-fitting sleeves. d patient with diagnosis of chronic schizophrenia with many outbreaks throughout the 21 years of the evolution of her illness and that, according to the different stages that have taken place, frequently interepisode residual symptoms (both positive and negative) have interspersed. She was hospitalized on three occasions. She has received irregular homeopathic treatment at different points
ZKH 2/2007 Bd. 51 S. 52-60

Oder der Fall wird wie in vielen Lehrbüchern aufgebaut mit einem:

(a) Spontanbericht
(b) gelenkten Bericht
(c) aktiver Befragung

Viele Fälle vor 1930 sind ähnlich wie der gerade gezeigte prägnante Fall von Case. Schauen Sie noch einmal, wie wenige Angaben Case macht.

E. E. Case

CaseEine dunkelhaarige Witwe, 64 Jahre
alt, hatte seit einigen Jahren
Husten… Der Auswurf ist grün mit
salzigem Geschmack.
Nach dem Husten fühlt sich die Brust
schwach und leer an. …
Sie erwacht morgens mit reichlichem
Schweiß, schwach und erschöpft.
29.3.1913. Ein Pulver Stannum M von
Boericke & Tafel.
18.5. Der Husten ist verschwunden und
sie kommt schnell wieder zu Kräften.
Schwaches, nagendes Gefühl im Magen
um 11 Uhr. Verstopfung mit vergeblichem Stuhldrang.
Ein Pulver Sulfur M vervollständigt die Heilung.

Some Clinical Experiences of Erastus E. Case, 1991, S. 180

Case nennt das Geschlecht, Alter, macht eine Bemerkung zur Konstitution, das Datum der Behandlung, die Hauptbeschwerde, seit wann sie besteht. Er nennt alle charakteristischen Symptome, auch schwere/ intensive Symptome wie die Erschöpfung. Die heilende Arznei, den Namen des Herstellers und einen kurzen Verlauf (18.5.).
Es treten neue Symptome auf. Gefühl im Magen um 11 Uhr. Verstopfung mit vergeblichem Stuhldrang. Eine Dosis Sulfur M heilte die restlichen Symptome.

Selbst diese kurze Kasuistik enthält eine Menge an Informationen!
Fehlt etwas? Die Arzneiwahl wurde in diesen frühen Kasuistiken meist nicht begründet, ein Materia medica-Vergleich wurde nur selten gemacht.

Ein Fall von C.M. Boger

BogerHartnäckige Rückenschmerzen,
< beim Hinlegen
> beim Gehen,
Mehrere Mittel brachten keine
Besserung.
Vorgeschichte von rezidivierender
Angina.
Tabacum CM heilte.

C.M. Boger, Collected Writings (1994: 280)

 

 

Backache persistent, worse when lying down, better walking, had defied many remedies. History of angenoid attacks. TABACUM CM cured.
Boger  CM:  Collected Writings. Hrsg. R. Bannan. London: Churchill Livingstone; 1994: 280.

Hier ist noch annähernd eine Kasuistik erkennbar, aber von Boger gibt es auch das:

C. M. Boger

Boger

Ferrum iod. D2
Weiche Struma bei anämischen
Mädchen in der Pubertät.
Zwei sofortige Heilungen.

C.M. Boger, Collected Writings (1994: 326)

 

 

 

 

 

Ferrum iod. 2x. Soft goitre in chlorotic girls at the age of puberty. Two very prompt cures.
Boger CM:  CollectedWritings. Hrsg. R. Bannan. London: Churchill Livingstone; 1994: 326.

Boger schreibt nur noch ein geheiltes Symptom bzw. einen Befund auf! Wir sind jetzt von einem 7-Seiten langen Fallbericht bei einer einzigen Zeile angelangt! Wenn Boger seine geheilten Fälle so gekürzt bringt, heißt das für die Dokumentation einer Verifikation dürfen wir unsere Fälle auf eine Zeile verkürzen?

Die früheren Herausgeber der ZKH haben das wahrscheinlich so gesehen. Von 1987 bis 1994 wurden in der ZKH Verifikationen veröffentlicht, die sich an diese Vorbilder der Literatur anlehnen. Im Kapitel ‚Verifikationen und klinische Symptome‘ stehen keine langen Kasuistiken, sondern eine Verifikation extrahiert aus einer Kasuistik. Außerdem wird die Materia medica-Quelle genannt.

Verifikationen in der ZKH

Ein Beispiel, die Bestätigung eines Prüfungssymptoms:

ZKH: Verifikationen und klinische Symptome

Indigo
Nasenbluten beim Niesen. (H.F., männl., 39 J.)
„Gegen 7 Uhr bekam ich heftiges
Niesen, welches bis 7 ¼ Uhr
anhielt, und darauf stellte sich
ein heftiges Nasenbluten ein,
welches bis gegen 8 Uhr anhielt.“
Verabreichte Potenz:  Q 6 (Zinsser)

v. Keller, Tübingen, ZKH 1987; Bd. 6: 232

Der ganze Fall ist auf eine Zeile reduziert.

Noch ein Beispiel, die Bestätigung eines klinischen Symptoms von Berberis vulgaris durch K.S. Srinivasan:

K. S. Srinivasan

SrinivasanBerberis vulgaris
Neigung, von Mücken gestochen zu
werden; besonders …die Arme;
starkes Jucken.
Die Patientin sagt: „Ich ziehe die
Mücken förmlich an.“ (R., weibl., 24 J.)
Verabreichte Potenz:  C 200 (Schwabe)
„…6 Wochen nach …der Prüfung berichtete
die Probantin als auffallend: Trotz
Reiterurlaub mit vielen Bremsen und
Schnaken bei extremer Hitze …kein
einziger Mückenstich. Sonst voller
Stiche von jedem Frühsommer an.“

K.S. Srinivasan, Chennai, ZKH 1988 Bd. 1: 27

In diesen Verifikationen stehen nur folgende Angaben:

Ein charakteristisches Symptom.
Das Geschlecht, das Alter.
Arznei, Hersteller.
Materia medica-Vergleich.
Autor.
Die Kollegen, die Verifikationen einreichten, waren fast ausschließlich renommierte Homöopathen wie Will Klunker, Georg von Keller, K.S. Srinivasan, Klaus-Henning Gypser, Martin Furlenmeier usw.

Inwieweit hängt eigentlich die Akzeptanz einer Verifikation vom Renommée eines Homöopathen ab?
Constantin Hering teilt seinen Fall so mit:

C. Hering

HeringLobelia inflata
Beim Monatlichen, ein heftiger
Schmerz im Kreuzbein selber,
und sonst nirgends, oder Gefühl
einer grossen Schwere in den
Geschlechtstheilen.

C. Hering, Philadelphia (USA)
AHZ 1869 Bd. 78 Nr. 7

 

 

 

Hier werden nur die Arznei, das geheilte Symptom, indirekt das Geschlecht und der Autor genannt. Hering schreibt nichts über die Patientin selbst, über ihr Alter, das Datum der Behandlung oder die Nachbeobachtungszeit – nichts!

Was denken Sie über diese Mitteilung, ist sie glaubwürdig?
Also ich glaube sie. Ich persönlich halte Constantin Hering für sehr kompetent. Dasselbe gilt für Mitteilungen von Adolf Lippe oder z.B. von Pierre Schmidt. Ich nehme an, auch Sie glauben deren Mitteilungen – weil Sie diesen Kollegen vertrauen, weil Sie andere Fälle und Bücher von ihnen kennen, die ihre Glaubwürdigkeit gezeigt haben.
Hering liefert immerhin ein neues klinisches Symptom eines eher seltenen Mittels, Lobelia! Ich würde diesen „Fall“ von Hering, oder besser dieses Fällchen in die Materia medica übernehmen.

Die nächste Mitteilung kommt von Peter Kowalski aus Tönisberg:

KowalskiLobelia inflata
Bei der Periode, ein
heftiger Schmerz im
Kreuzbein, und nur dort,
oder Gefühl einer großen
Schwere in den Geschlechtsteilen.

P. Kowalski, Tönisberg (Deutschland)
AHZ 2004 Bd. 254 Nr. 4

 

 

 

Was sagen Sie dazu?

Sie kennen Herrn Kowalski nicht. Glauben Sie ihm diese Mitteilung trotzdem?
Ich meine: „So geht es nicht. Der Kollege Kowalski soll den Fall doch mal etwas genauer aufschreiben!“

Warum reicht mir das nicht, was Kowalski schreibt?
Weil ich nicht weiß, ob seine Angaben zuverlässig beobachtet sind. Hering glaube ich das, aber von Herrn Kowalski möchte ich mehr Informationen.

Übrigens: Den Kowalski habe ich erfunden, den gibt es gar nicht…

Sie sehen aber an diesem Beispiel, dass Verifikation nicht gleich Verifikation ist, sondern auch von der mitteilenden Person abhängt.

Ich fasse zusammen:

(1) Es gibt einerseits Fälle von mehreren Seiten. Andererseits kann eine Verifikation effektiv in drei Sätzen (denken Sie an Case) oder in einem Satz (Beispiel ZKH) vermittelt werden.
(2) Der Autor der Verifikation ist möglicherweise völlig unbekannt.

Angaben für Verifikationen

Um eine schriftlich eingereichte Verifikation dennoch beurteilen zu können, müssen Fälle meiner Meinung nach folgende Angaben enthalten, in Ihrer Kongressmappe liegt eine Liste mit diesen Angaben:

        Verifikationen enthalten…                Optional…

  • Das verifizierte Symptom                    ♦ Konstitution
  • Patient                                                     ♦ Auffallende körperliche Merkmale
  • Datum
  • Hauptbeschwerde
  • Charakteristische Symptome
  • Intensive uncharakteristische Symptome
  • Auffallende pathologische Befunde
  • Ätiologie
  • Frühere Krankheit
  • Familiäre Krankheit
  • Arznei
  • Begründung der Arzneiwahl
  • Materia medica
  • Parallelbehandlung
  • Verlauf
  • Nachbeobachtungszeit

Das verifizierte Symptom bzw. geheilte klinische Symptom.
Der Patient mit Alter, Geschlecht und Beruf. Die genauen Lebensverhältnisse müssen nicht angegeben werden. Das Datum der Behandlung.
Die Hauptbeschwerde, ggf. die klinische Diagnose. Die Dauer und der Schweregrad der Krankheit. Ein detaillierter Krankheitsverlauf ist nicht erforder-lich.
Die charakteristischen Symptome nach Hahnemann, d.h. näher bestimmte (§153, §165), seltene (§178) oder besonders auffallende Symptome (§95, §153 ORG). Aus der Fallbeschreibung sollte hervorgehen, warum diese Symptome charakteristisch sind. Besonders markante, sicher beobachtete Symptome können kursiv gesetzt werden.
Es sollten alle charakteristischen Symptome genannt werden, auch solche die nicht zur Arzneiwahl führten oder nicht repertorisierbar sind. Auf diese Weise werden bisher unbe¬kannte Arznei¬symptome gefunden.
Intensive uncharakteristische Symptome wie starke Abmagerung, Schwäche, Schwindel, Blässe, Atemnot. Diese Symptome vervollständigen das Gesamtbild und zeigen, unter welchen Begleitsymptomen die betreffende Arznei wirkt.
Die übrigen uncharakteristischen Symptome, d.h. unbestimmte, häufige Symptome wie Kopfschmerz, Appetitlosigkeit, gestörter Schlaf (§153 ORG) müssen nicht aufgeführt werden.
Auffallende pathologische Befunde wie z.B. ein rissiger Mundwinkel, eine Landkartenzunge.
Laborbefunde und andere diagnostische Befunde (z.B. Röntgen, Ultraschall) können, müssen aber nicht genannt werden.
Der Auslöser der Krankheit, ein Kummer, unterdrückter Hautausschlag usw. Ein möglicher Auslöser muß speziell begründet werden.
Frühere Krankheiten, wenn sie für diesen Fall ein wesentlicher Hinweis für die Arzneiwahl waren (z.B. bei früherer Infektion mit TBC).
Familiäre Krankheiten, wenn sie ein wesentlicher Hinweis für die Arzneiwahl waren, z.B. TBC in der Familie.
Die Arznei inkl. Potenz, Dosierung und Hersteller.
Eine stichwortartige Begründung der Arzneiwahl. Die Differentialdiagnose der in Frage kommenden Arzneien ist nicht erforderlich, ebensowenig die Darstellung des Repertorisationsergebnisses.
Der Materia medica-Quellenvergleich.
Parallelbehandlungen, die während der Behandlung stattfanden, z.B. Akupunktur oder eine Gesprächstherapie. Es muß genau begründet werden, warum die Heilung auf die homöopathische Arznei und nicht auf die Parallelbehandlung zurückgeführt wird!
Eine kurze zusammenfassende Darstellung des Verlaufs. Detaillierte Ereignisse aus dem Behandlungsverlauf wie eine Erstverschlimmerung, interkurrente Erkrank¬ungen, eine Heilung nach der Hering´schen Regel usw. können ausgelassen werden.
Nachbeobachtungszeit.

Optional können konstitutionelle Symptome (z.B. Verlangen nach frischer Luft) sowie auffällige körperliche Merkmale (sog. „indikative” Symptome wie z.B. ein Arcus senilis (indikativ für Arzneien wie Lyc., Sulf.) angegeben werden.

Ein Fall in der Schriftform

Zum Abschluß ein Fall aus meiner Praxis, der beispielhaft zeigt, wie eine Verifikation schriftlich mitgeteilt werden kann:

Arznei & verifizierte Symptome
Kalium iodatum
• Atemnot (Asthma) < durch Wärme, < im warmen Raum, < abends, > frische Luft
• reichlicher grüner Schnupfen, < abends; mild, schleimig
• grüner Auswurf

Patient, Datum, Hauptbeschwerde, charakteristische Symptome (kursiv)
8.02.07: Herr B., 39 Jahre, Schreinermeister, etwas adipös, leidet seit 20 Jahren an allergischem Asthma, das sich in den letzten Jahren weiter verschlimmert.
Asthma < in warmen, stickigen Räumen, beim Eintreten in einen warmen Raum, bei Wetterwechsel zum Warmen, besser in frischer kühler Luft. Allgemeine Abneigung gegen warme Räume. Atemnot < abends, durch Staub, verschiedene Nahrungsmittel (Paprika, Apfel), bei Anstrengung. Ständiges Pfeiffen über den Bronchien, nachts Engegefühl. Grünlicher Auswurf. Husten nach warmen Essen oder bei warmen Wasserdampf.
Weitere Symptome: Reichlicher grüner Schleim aus der Nase morgens und tagsüber.
Nase abends verstopft. Niesen beim Sehen in die Sonne. Im Frühjahr und August/September Heuschnupfen mit starkem Augenjucken und -brennen.
Oft Angina. Häufige Anginen in der Kindheit. Als Kleinkind Impfung gegen Tuberkulose.

Puls., Tub. und Iod. beenden die Infektanfälligkeit und die Augensymptome, bessern die Allergien, führen aber zu keiner endgültigen Ausheilung des Asthmas. Cortison und ein Antiallergicum wurden initial abgesetzt.

Mittelgabe & Dosierung
21.3.08: Kalium iodatum C30 (Gudjons) morgens und abends jeweils ein Globulus pur.

Begründung der Arzneiwahl
< Wärme (im Zimmer, warmes Essen, heißer Wasserdampf), > frische Luft, < Wetterwechsel, < abends (Quellen: H.C. Allen, C. Hering, Hartlaub/Trinks, C.M. Boger)
Reichliche grünliche, kalte, nicht reizende nasale Absonderungen (K.C. Bhanja) (Hervorhebungen v. Verfasser)

Materia medica
Verstopfung der Nase… (Hartlaub/ Trinks Nr. 184)
Häufiger Abgang gelben dicken Schleims aus der Nase. (Hartlaub/ Trinks Nr. 187)
Discharge from nose of greenish black or yellow matter. (Hering 428)
Opression of breathing, awakening patient in morning hours. (Hering 433)
Asthma in young people that have not gotten their growth. (Hering 433)
Expectoration greenish. (Hering 433)

Verlauf
Das Mittel wird fünf Wochen gegeben. Keine Parallelbehandlung.
Schon nach vier Tagen kein Schnupfen mehr, innerhalb von zehn Tagen sind alle asthmatischen Symptome verschwunden. Kein Niesen mehr in der Sonne, keinerlei allergische Reaktionen auf Lebensmittel oder Staub.
Nachbeobachtung: 6 Monate.

Ausblick

Durch Verifikationen verbessern wir unsere Materia medica und machen die Mittelwahl immer sicherer. Ich lade Sie ein: Dokumentieren Sie Ihre Heilungen!
Ab Januar 2009 gibt es wieder eine Rubrik ‚Verifikationen’ in der ZKH. Schicken Sie die Kasuistiken an die ZKH oder an die neue InHom-Wissenschafts-gesellschaft. Tragen Sie durch Heilungsmitteilungen zur Verbesserung der Materia medica bei!

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

 

¹Die Prüfungssymptome ‚grünlicher und salziger Auswurf‘ werden verifiziert.
Die ‚Schwäche und Leerheit in der Brust nach Husten‘ ist ein klinisches Symptom von Stannum, das hier bestätigt wird. Schon in der Prüfung gibt es Hinweise auf das Symptom – ein Beispiel dafür, wie klinische Symptome Prüfungssymptome genauer charakterisieren!

Materia medica
Scharriger Husten, anfänglich lösend, mit grünlichem Auswurfe von widrigem, süsslichtem Geschmacke… (RA VI 123).
Salzig schmeckender Brust-Auswurf (RA VI 125).
* Schwächegefühl in der Brust, wie ausgeweidet, – besonders nach Reden oder Hustenauswurf (G.H.G. Jahr, Symptomenkodex, S. 591)
Nach Husten und Auswurf fühlt sich der Patient sehr hohl und leer (Guernsey, Keynotes, S. 239)
Von Zeit zu Zeit, ein Kotzhusten, wie aus Schwäche der Brust, ohne allen andern Husten-Reiz und ohne Auswurf … mit einem heisern, ganz schwachen Laute, weil’s ihm an Kraft der Brust fehlte (RA VI A221). Vormittags, Schleim in der Luftröhre, welcher durch leichte Husten-Stösse ausgeworfen wird, bei einer ungemeinen Schwäche der Brust, als wäre sie ausgeweidet… (RA VI A222).
Er athmet kurz und, wiewohl es ihm nicht an Luft fehlt, doch mühsam, aus Schwäche der Athem-Werkzeuge, bei grosser Leerheit der Brust (RA VI A238)