Wiederentdeckt: Hahnemanns Leben in Paris


Dr. med. Carl Rudolf Klinkenberg
Vortrag auf dem LMHI Homeopathic World Congress Leipzig am 15. Juni 2017


Einführung / in den Archiven

Als ich 2009 zusammen mit meinen Freunden den Srinivasans, Albert Schmierer und Olivier Rabanes durch Paris streifte, stellte ich fest, dass niemand wusste, wo Hahnemanns Pariser Praxen waren und ob sie noch erhalten sind.
Besonders erstaunt war ich darüber, dass an dem Ort, wo Hahnemann seine berühmt gewordene Praxis in der Rue de Milan Nr. 1 hatte, heute nichts an Hahnemann erinnert.


Ich kehrte oft nach Paris zurück und begann eine spannende Recherche, die immer
noch andauert. Heute lasse ich Sie daran teilhaben!
Das sind Bilder meiner Recherche …


Hendrike bei der Deutung eines Plans…

Ich entdeckte Dokumente und Bilder über Samuel und Mélanie Hahnemann, von denen ich nie erwartet hätte, dass sie überhaupt existieren.

Köthen 1835
Lassen Sie uns die Zeit 182 Jahre zurückdrehen …

Samuel Hahnemann lebt seit nunmehr 13 Jahren zurückgezogen in der kleinen Stadt Köthen. Er ist 79 Jahre und inzwischen verwitwet. Seine zwei jüngsten Töchter führen ihm den Haushalt. Im Oktober 1834 reist die 34jährige Französin Mélanie d’Hervilly aus Paris in Köthen an, um ihn wegen eines Unterleibsleidens zu konsultieren. Der alte Arzt und die gebildete junge Dame von französischem Adel freunden sich an. Aus Freundschaft wird Liebe. Sie schreiben sich Liebesbriefe:

 

„Gott hat Sie mir zu meinem Glück geschickt. … Ich werde derselbe sein, der ich bisher war, für ewig. Ich liebe Sie wie ich während meines Lebens niemand liebte.“
,,Ohne Sie kann ich nicht mehr leben, bleiben Sie auf immer bei mir. Wir müssen Gatten sein.“

Der Donner ist in Coethen über mein unschuldiges Haupt gekommen, und alle Qualen der Hölle peinigen mich! … Ich kann jetzt ohne Ihre Achtung und ohne Ihre Liebe nicht mehr leben. … Ja, hätte ich diese neue, schreckliche Liebe, die wie ein Vulkan in mir ausgebrochen ist früher gekannt …“

„Kein anderer Mund als der Ihre soll meinen Mund küssen! Ich … schwöre Ihnen Liebe und ewige Treue!“

„Und träte, wenn unsere Türe geschlossen sein wird, die Liebe durchs Schlüsselloch bei uns ein, so würden wir ihr ganz leise sagen: Sei willkommen! Aber ganz leise, damit es niemand höre, und selbst wenn die Liebe uns ein Kind schenken würde, … dann würde das … ganz natürlich erscheinen.“  

Im Januar 1835 heiraten Samuel und Mélanie in der Köthener St. Agnes Kirche.

Abreise aus Köthen & Ankunft in Paris

Fünf Monate später, am 7. Juni 1835 reisen die beiden nach Paris.
Es ist ein Pfingstsonntag. Der Tag an dem er 14 Jahre vorher mit seiner Familie in Köthen einzog war ebenfalls ein Pfingstsonntag.
Seit einem Streit mit den Leipziger Homöopathen im Jahr 1833 war Hahnemanns Verhältnis mit einem Teil seiner deutschen Kollegen nicht mehr das Beste. Die AHZ erwähnt seine Abreise immerhin mit dieser kleinen Zeile:

Seine Töchter und eine Handvoll naher Freunde begleiten das Paar noch bis in die nächste größere Stadt Halle.

In Halle nehmen sie ein Abschiedsessen im berühmten Hotel Zum Kronprinz ein. Andere illustre Gäste in Halles erster Adresse waren Goethe, Eichendorff, und Wilhelm I. Das Gebäude steht noch heute.
Nach einem bewegten Abschied von der Familie besteigen die Vermählten ihre Postkutsche und reisen gen Frankreich.

Nach 14 Tagen und 900 km langen die beiden am 21. Juni in Paris an.

Über die im Jahr zuvor eröffnete Pont du Caroussel überqueren sie die Seine. Diese Brücke führt fast direkt in die Rue des Saints-Pères, in der sich Mélanies Wohnung im Haus Nr. 26 befindet.

Samuel schreibt an seinen Freund von Gersdorff:

Oper am 23. Juni

Ich wollte wissen welche Oper sie am erwähnten 23. Juni gesehen haben. Das stellte sich als schwieriges Unterfangen heraus. Ich verbrachte einige Zeit damit über Paris und seine Theater zu forschen. Schließlich kam ich auf die Idee, nach der Ankündigung in der Zeitung zu suchen.

In der Bibliothek des Pariser Senats, die der Öffentlichkeit eigentlich nicht zugänglich ist wird die Tageszeitung „Le Temps“ aufbewahrt.

Am 23. Juni 1835 werden an den Pariser Bühnen eine Reihe von Theaterstücken gegeben, jedoch nur eine Oper: „Le Portefaix“, auf deutsch: „Der Lastträger“, des spanischen Komponisten José Melchor Gomis. Das ist spanische Zarzuela Operette – witzig, humorvoll, originell und mit guter Musik.

Die beiden besuchen in den kommenden acht Jahren mindestens einmal pro Woche die Oper, das Theater oder ein Konzert.

Paris- Film

Samuel und Mélanie wohnen erst einmal in Mélanies Wohnung in der Rue des Saints-Pères Nr. 26. Ihre zentral gelegene Wohnung bietet einen idealen Ausgangspunkt für Spaziergänge in der Stadt. Und so sieht Paris 1835 aus. Die Musik ist von Georg Bizet aus der Oper Carmen.

– Filmsequenz mit Musik von G. Bizet

Genau gegenüber ihrer Wohnung in der Rue des Saints-Pères befindet sich ein riesiger Gebäudekomplex,

das Hôpital de la Charité – das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder.
Auch in Köthen gab es ein Krankenhaus der Barmherzigen Brüder. Dort ist heute die Europäische Bibliothek für Homöopathie. Hahnemann wohnte direkt nebenan. Kaum in Paris angekommen – gleicher Blick aus dem Fenster.

Die Gedenktafel

Das Haus in der Rue des Saints Pères Nr. 26 existiert heute noch. 1955 wurde hier anlässlich des 200sten Geburtstages Hahnemanns eine Gedenktafel angebracht.
Gegenüber auf der anderen Straßenseite (wo einst das Krankenhaus der barmherzigen Brüder war) steht heute das Gebäude der Medizinischen Fakultät.

Und schauen Sie mal – die Medizinstudenten schauen, wenn sie die Fakultät verlassen … direkt auf Hahnemanns Tafel!

Begrüßung durch die französischen Homöopathen


Seine französischen Kollegen empfangen Hahnemann enthusiastisch und mit offenen Armen. Sie geben bei Emile Rougat eine Medaille in Auftrag – es ist eine der besten Darstellungen Hahnemanns.
Die Pariser Gesellschaft stattet dem Meister drei Wochen nach seiner Ankunft einen Besuch ab. Der Homöopath Peschier berichtet:


Die zweite große Vereinigung, die Gallikanische homöopathische Gesellschaft mit Sitz in Lyon ernennt Hahnemann zum Ehrenvorsitzenden auf Lebenszeit.

Umzug in die Rue de Madame

In seinem früheren Leben war er genau 30 mal umgezogen. Nach drei Wochen Paris zieht er mit seiner Mélanie aus ihrer alten Wohnung in die Rue de Madame.

Samuel schreibt an seinen Freund Bönninghausen:

 „Da unsre bisherige Wohnung, mitten in der Stadt, nicht vorteilhaft für unsrer beider Gesundheit zu seyn schien … ward gleich beschlossen, eine räumlichere Wohnung zu beziehen mit besserer Luft. … So suchten wir mit Fleiß … [und] waren so glücklich, eine vortreffliche zu finden, wo wir keinen Straßenlärm hören.“

Gedanken der Liebe

„…und unsre gegenseitige Liebe nimmt täglich zu“: Samuel schreibt Mélanie in Paris fortlaufend in ein Heft Gedanken und Erinnerungen der Liebe – Pensées et souvenir d’amour:

„Ich wüsste nicht genug dein inneres Bild zu bewundern, das Bild deiner göttlichen Seele … Engelssinn und Engelsgestalt – dies ist Dein Bild, liebenswürdigste der Menschen, liebenswürdigste Mélanie, der jede Minute meines Lebens geweihet ist.“

An der Formulierung „souvenir“ können wir ahnen, wie bewusst es Samuel gewesen sein muss, dass er die 80 überschritten hatte, und einmal eine junge Witwe hinterlassen würde. Für die Jahre, die sie nach seinem Ableben ohne ihn weiterleben würde, gibt er Mélanie „souveniers“, Andenken mit.

Die Rue de Madame

Samuel und Mélanie leben jetzt in der Rue de Madame Nr. 7.
Die Häuserreihe im Hintergrund ist die Rue de Madame.

Dieses Foto aus dem Jahre 1900 zeigt die Rückseite des Hauses. Samuel schreibt:

„Die Wohnung unserer Dienstleute geht … auf die Straße … Unsre großen Fenster aber im ersten Stock – im ersten Stock lag immer die sog. belle étage mit hohen Decken – gehen in einen hübschen Garten, … mit einer Hinterthüre, die sich in den Luxembourg öffnet, einen eine Stunde langen öffentlichen Garten mit Bäumen bepflanzt.“ 

Sie sehen die großen Fenster auf der Rückseite. In mehreren Archiven habe ich Pläne der Rue de Madame verglichen.

Dieser Plan von 1836 entspricht genau Samuels Beschreibung:

Die Wohnung hat einen großen Garten und direkt dahinter beginnt der Jardin du Luxembourg. So wie Hahnemann es beschreibt öffnen sich Gartentüren direkt in den Park!

Hahnemanns Haus heute

Die Hausnummern haben im Laufe der Jahre gewechselt: Die Hausnummer 7 ist heute die Nummer 55. 1972 wurde das Haus abgerissen und durch einen Neubau ersetzt. Aber wenn Sie einmal nach Paris kommen schauen Sie sich die Häuser rechts davon an, die Hausnummern 57 und 59. Sie zeigen wie Hahnemanns Haus einmal aussah:

Das sind die Haustüren zur Straßenseite und der Hauseingang …

hier die Rückseite, der Hof zum Garten.

Das ist der Jardin du Luxembourg, wo er die frische Luft „wie auf dem Lande“ genießt. Er fühlt sich in der ruhig am Park gelegenen Wohnung wohl.

Das Dekret König Louis-Philippes 1er

Vor seiner Abreise aus Köthen hatte Hahnemann an Bönninghausen geschrieben, dass er sich in Paris haupt­sächlich ausruhen und „fast keine Kranken“ behandeln will. Es kommt jedoch ganz anders.
Von Anfang an besuchen ihn Hilfesuchende und Mélanies Freunde. Hahnemann behandelt sie im privaten Rahmen.
Offiziell darf er seine ärztliche Kunst als ausländischer Arzt noch nicht ausüben. Hierfür braucht er die Erlaubnis der Regierung. Er stellt den Antrag beim Ministerium für Bildung und öffentlichen Unterricht.

Mit dem amtierenden Minister Francois Guizot hatte Hahnemann wegen der Idee der Gründung einer homöopathischen Klinik in Paris Anfang des Jahres noch von Köthen aus Kontakt aufgenommen. Guizot hatte zwar die Gründung der Klinik abgelehnt. In seiner Stellungnahme gegenüber der Medizinischen Akademie von Paris äußert er sich jedoch aufgeschlossen zur Homöopathie:

Die Preußische Staats-Zeitung druckt am 12. Oktober 1835 folgende Meldung:

Es hat mich beschäftigt: Wenn es eine königliche Verordnung gibt, warum kennt es dann niemand! Es muss doch irgendwo auffindbar sein!
Die Historikerin vom Labor Boiron, Corinne Mure, erzählte mir sehr ermutigend, dass sie dieses Dokument seit 16 Jahren suche. War die Erlaubnis durch den König vielleicht nur mündlich erteilt worden?

Ich habe nicht lockergelassen und habe die Archive nach Verzeichnissen abgesucht, wie z.B. diesem hier von 1835:

Königliche Dekrete gab es in Mengen, nur das gesuchte war nicht. Schließlich habe ich das Dekret nach mehreren Reisen nach Paris in einer abgelegenen Zweigstelle der staatlichen Archive gefunden. Ein toller Moment!

Das ist das Dekret mit den Unterschriften von König Louis-Philippe und Guizot.

Dort steht:

Aufgrund des Artikels 4 des Gesetzes vom 19. Ventôse, – das ist der März 1803
Aufgrund der Urkunde die bestätigt, dass Samuel Hahnemann der Doktor der Medizin verliehen wurde,
Aufgrund des Antrages dieses ausländischen Arztes, die Genehmigung für die Ausübung seines Berufs in Frankreich zu erhalten,
haben wir verfügt und verfügen wir folgendes:
21Herr Samuel Hahnemann ist berechtigt, den Beruf des Arztes in Frankreich auszuüben.

Der Artikel 4, der hier herangezogen wird, besagt dass ausländische Ärzte promoviert haben müssen und einen Antrag stellen müssen.
Hahnemann erfüllt diese Bedingungen. Guizot hat seinem König deshalb unterbreitet, das geltende Recht anzuwenden und ihm das Praktizieren zu erlauben. Was der König verfügt hat.

Das ist Louis-Philippe, offizieller Titel „König der Franzosen“, der in Hahnemanns Zeit regiert hat.
Anderen Homöopathen jedoch wurde diese Erlaubnis verweigert. So konstatiert Hahnemann zwei Jahre später:

Guizot hat sich also – aus Gründen die wir nicht kennen – für Hahnemann stark gemacht.

Große Praxis

Mélanie, die bis zu ihrer Heirat bildende Künstlerin, Malerin und Dichterin war hat einen großen Freundeskreis von Künstlern und Akademikern aller Genres. So trägt ihr Netzwerk zur Entwicklung von Samuels Praxis bei, die bald überaus floriert.
Das hat niemand erwartet.

Am 22. August 1835 hatte Hahnemann per Anzeige in Deutschland bekanntgeben lassen, dass er nicht mehr nach Deutschland zurückkehren werde. Am 31. August hatte er seine französische Praktiziererlaubnis erhalten. Dies geschieht nur zwei Monate nach seiner Ankunft in Paris. Er entscheidet sich für seine neue Heimat und sein neues Leben und hat nun auch die Freiheit, seine Kunst auszuüben.
Hahnemann bemerkt auch, dass viele seiner Pariser Kollegen „auf halbem Weg stehen­geblieben“ sind und sie der Homöopathie eher schaden als nützen.
Rückblickend auf seine Anfangszeit schreibt er später:

Heilungen sind wichtig

In seinen Briefen schreibt er dass er mit seinen Behandlungen sehr zufrieden ist. Anders als während seiner Jahre in Deutschland sind für ihn jetzt seine Heilungen ein ständig wiederkehrendes Thema. Über die Pariser „Halb­homöopathen“ – wie er sie nennt – sagt er:

Und er fügt hinzu:

 „…Ich kann mich vor dem Andrange kaum retten. … Wir stellen auffallend viele Kranke her.“

Patienten

Viele seiner Patienten gehören der Oberschicht und dem Adel an.

Etwa 78 % kommen aus Frankreich, 17 % aus Großbritannien und die übrigen aus anderen europäischen Ländern, Russland, die U.S.A. und Kanada.
Aus Mélanies Freundeskreis kommen Künstler, hier der Bildhauer David d´Angers.

Wenige Monate nach Samuels Ankunft hatte d´Angers eine Büste von Samuel fertiggestellt.

Einige der ersten Patienten sind Briten,

darunter die Pioniere der englischen Homöopathie, Frederick Foster Quin und William Leaf. Auch der britische Diplomat und Kunstsammler Graf von Elgin kommt in Behandlung.

Aus den Krankenjournalen und anderen Quellen geht hervor dass Hahnemanns Praxis noch erheblich gewachsen ist. Ab 1837 behandelt er 15 bis 20 Patienten pro Tag.
Mélanie sitzt dabei am Schreibtisch und Samuel daneben. Sie stellt die Fragen, schreibt die Symptome auf, teilt ihm ihre Ansicht dazu mit, schlägt im Repertorium nach und gibt ihm die in Frage kommenden Heilmittel schon mal an. Dadurch erleichtert sie ihm seine Arbeit enorm!
Nach 16 Uhr behandelt sie in einem anderen Raum kostenlos 20, 30 Patienten und mehr. Darüber schreibt Samuel:

Sie heilt täglich eine große Anzahl armer Kranken unentgeltlich unter meiner Aufsicht, die sie jetzt fast nicht mehr nöthig hat …; der Zudrang zu ihrer Hülfe ist unglaublich …“

Charles Peschier berichtet:

„Hahnemann ist das verkörperte Genie, dem die Grazien huldigen, er ist für seine junge Gattin mehr als ein Mensch … Sie betet ihn an! Ihr Gefühl können wir durch kein anderes Wort ausdrücken. Sie hat sich ihm ganz geweiht, ganz hingegeben. Sie verlässt ihn nie, sie ist wie sein Schatten.
C.G. Peschier, in Hygea 1836 Bd. 3 S. 394

Beschreibungen Mélanie und Samuel

Die amerikanische Schauspielerin Anna Cora Mowatt, die die Hahnemanns 1839 besucht, beschreibt Mélanie so:

„Die Dame war eine elegant aussehende Frau von mehr als mittlerer Größe und schön abgerundeter Form. Ihre Gesichtszüge waren nicht diejenigen einer Schönheit, doch man konnte sie mit Recht hübsch nennen. Sie hatte eine volle hohe Stirn … , deren große Dimensionen durch das zurückgekämmte Haar umso deutlicher zu Tage traten. … In ihren großen, blauen Augen lag ein Ausdruck tiefen Nachdenkens, der ihrem Antlitz etwas Feierliches verliehen haben würde, wenn es nicht durch das wohlwollende Lächeln ihrer Lippen aufgehoben worden wäre.“

Aus vielen Briefquellen Samuels geht hervor dass Mélanie für ihn eine überaus geistreiche, hingebungsvolle Frau ist. Er liebt ihren Charakter, ihre Intelligenz und ihre körperliche Anziehungskraft.
Samuel blüht an ihrer Seite auf. Er fühlt sich verjüngt wie in seinem „30, 40igsten Lebensjahr“. Er lässt sich von Mélanies Lebensart mitreißen und geht freier mit seinen Gefühlen um. Ausgelassen beschreibt er sein ausgefülltes Leben:

Anna Mowatt beschreibt in ihren Memoiren auch Samuel:

„Den Scheitel seinen schönen … Hauptes bedeckte ein schwarzes Samtkäppchen, unter welchem … Silberlöckchen sich hervorstahlen, die seine edle Stirn umrahmten …, welche … der frischen, blühenden Gesichtsfarbe zu widersprechen schien. Seine Augen waren dunkel und tiefliegend, aber leuchtend und voller Leben.“

Das Hôtel in der Rue de Milan Nr. 1

Die Zahl der Patienten wird bald größer, und die Wohnung in der Rue de Madame zu klein. Samuel und Mélanie ziehen in die Rue de Milan Nr. 1 am nordwestlichen Rand von Paris.

Hier der Blick vom Hügel Montmartre auf den Nordwesten von Paris, in dem die beiden von nun an leben. Samuels Praxis wird in den nun folgenden sechs Jahren international sehr bekannt werden. Hier entsteht die 6. Organon Auflage, hier lebt und arbeitet er bis zum seinem Tod im Jahre 1843.

Umzug in die Rue de Milan & Mietvertrag

Wir wussten bisher nicht, wann Samuel und Mélanie in das Haus in die Rue de Milan eingezogen sind. Hahnemanns Biograph Haehl vermutet den Einzug im Frühjahr 1837, was andere Autoren übernehmen. Rima Handley sieht den Umzug im Herbst 1836 und Thomas Bradford sogar eher 1835.
Ein Mietvertrag würde darüber Aufschluss geben. Den musste ich finden. Meine Suche führte mich über Zwischenstationen in die Archives Nationales, wo solche Dokumente in dicken Mappen, sortiert nach Notaren und Monaten aufbewahrt werden. Es war schon ein schönes Gefühl, als ich auf einmal den Mietvertrag in den Händen hielt!

Am 12. Juni 1837 wurde er aufgesetzt. Liebe LIGA Gäste, Sie sind die Ersten, die nach 180 Jahren – und 3 Tagen – den Vertrag sehen.

Mietbeginn ist der 1. Juli 1837:

Bis zum 1. Juli 1837, also rund zwei Jahre, haben Samuel und Mélanie in der Rue de Madame gelebt und praktiziert. Dieser Abschnitt der Pariser Zeit wurde bisher wenig beachtet.

Das ist die erste Seite des Mietvertrags.

Der Vertrag enthält interessante Informationen:
Es wird unter anderem erwähnt dass Samuel und Mélanie Gütertrennung vereinbart hatten. Samuel legt auch größten Wert darauf dass alle Möbel, Gemälde, Kunstobjekte, ganz einfach alles was sich jetzt und künftig in dem Haus befindet das Eigentum seiner Frau ist. Wahrscheinlich will er damit Forderungen unterbinden, die nach seinem Tod gestellt werden könnten.
Wir erinnern uns: Seine Töchter Charlotte und Louise waren Mélanie in der Köthener Zeit mit offener Ablehnung begegnet. Mélanie hatte sich dafür eingesetzt, dass Samuel bei seiner Abreise aus Köthen fast sein gesamtes Vermögen an seine Kinder übergab. Zu diesem Zweck hatte er im Februar 1835 ein Testament aufgesetzt, das er fünf Tage vor seiner Abreise noch einmal verschärfte:[1]


[1] In einem Pariser Archiv konnte ich auch ein Testament Mélanies vom 17.01.1835, d.h. genau einen Tag vor ihrer Heirat finden. Das Testament gibt über ihr gesamtes Vermögen Aufschluss und zeigt, dass sie nicht ganz so wohlhabend war wie Hahnemann am Ende der Köthener Zeit.


Dass Hahnemann zweieinhalb Jahre später eine Praxis größer als jemals in Deutschland und ein beachtliches Einkommen haben würde, damit hatte er selbst nicht gerechnet. Seine Sorge, dass seine Nachkommen Forderungen an Mélanie stellen könnten sollte sich einmal als leider allzu wahr herausstellen.

Den Wohlstand der Hahnemanns erkennt man auch daran, dass ihnen die Rue de Milan eine Jahresmiete von 6000 Francs wert ist. Hinzu kommen die Kosten für ihre Equipage – eine Kutsche mit Kutscher und Pferden, 9000 Francs. Zusammen 15.000 Francs im Jahr. Ein enormer Betrag!
Zum Vergleich: Zur gleichen Zeit bezahlt Viktor Hugo in der Toplage am teuren Place des Vosges 1500 Francs für seine große Wohnung.

Praxis & prominente Patienten

In den folgenden Jahren wird die Rue de Milanzu einem Anziehungs­punkt für die vornehme Pariser Gesellschaft und Menschen0 aus der ganzen Welt. Samuel und Mélanie führen jetzt eine Praxis im ganz großen Stil.

Einer der ersten Patienten in der Rue de Milan ist der Geiger Niccolò Paganini, der am 12. Juli in Behandlung kommt.
Es kommen weitere Persönlichkeiten, wie der Baron James de Rothschild oder die Opernsängerin Pauline Viardot Garcia:

Hahnemanns Kollege Croserio schreibt:

Hahnemanns Ziel ist ja die Verbreitung der Homöopathie. Sie soll populär werden. Die Rich and Happy Few dienen seiner Mission. Er ist ein Promiarzt. Seine Popularität trägt enorm dazu bei, dass die Homöopathie ins allgemeine Bewusstsein dringt.

Blick auf den Montmartre

Das ist der Blick von Hahnemanns Stadtviertel auf den Hügel Montmartre im Norden. Man sieht, dass die Bebauung noch nicht geschlossen ist.

So etwa hat Hahnemanns Stadtvilla ausgesehen:

Die Sprechstunde: Bericht von Anna Mowatt (1819-70)

Es gibt einen wunderbaren Bericht der schon erwähnten amerikanischen Schau­spielerin Anna Mowatt, die eindrucksvoll Hahnemanns Sprechstunde beschreibt:

“Im Winter 1839/40 stattete ich Hahnemann meinen ersten Besuch ab. …Um so früh wie möglich zu einer Audienz zugelassen zu werden, bestieg ich bald nach 9 Uhr einen Fiacre, und nach …einer halben Stunde hielt der Kutscher an… Ich fragte ihn, ob wir am Ziele seien. Er antwortete: “Nein, Madame, wir sind noch nicht an der Reihe… Dort ist Hahnemanns Wohnung”, …indem er auf ein palastähnliches Gebäude deutete, das in einiger Entfernung sichtbar war. Das Haus war von einer massiven Mauer umgeben und hatte ein eisernes Tor in der Mitte.  …Ungeduldig …lehnte ich aus dem Wagen hinaus und erblickte eine lange Reihe von Kutschen vor uns, welche nacheinander zum Tore hineinfuhren… Hinter uns erblickte ich eine ähnliche Reihe von Equipagen, welche mit jeder Minute sich vermehrte. So war ich unbewußt in eine Prozession geraten, welche langsam sich fortbewegte… Nachdem ich …langsam vorgerückt war, fuhr endlich auch mein Kutscher …zum Hoftor hinein in einen geräumigen Hof, wo ich an dem Portal … ausstieg.“

Sie sehen das gut auf diesem Plan:
Das Haus der Hahnemanns ist in dem dunkleren Rot. Vorne links grenzt das Anwesen an die Rue de Clichy. Das Hellere sind die Gartenanlagen.
Hier unten die massive Mauer, die das Haus umgibt. Sie ist durch zwei Eisentore unterbrochen.

Die Kutschen fahren durch das erste Tor in den Hof, setzen den Besucher ab und verlassen den Hof durch das zweite Tor. Anna Mowatt weiter:

„Drei oder vier Livreebedienten … führten die Ankömmlinge nach der breiten Haupttreppe. Oben angekommen wurden sie … von einigen … Herren in Empfang genommen und in einen eleganten und splendid möblierten Salon eingelassen, der mit einer Reihe von Zimmern, die weniger geräumig waren, in Verbindung stand. Der Salon war von fashionable gekleideten Damen und Herren besetzt, sowie auch von Kindermädchen mit ihren Kindern …“

Auf dem Katasterplan aus dem Jahr 1839 sehen Sie den vorderen Teil der Villa mit der breiten Treppe, über die man in den Salon kommt. In den hinteren seitlichen Räumen befinden die Behandlungs­zimmer.

Mowatt wartet über drei Stunden, bis sie an der Reihe ist:

„Ich stand jetzt vor Herrn und Frau Hahnemann. … In der Mitte des Zimmers stand … eine etwas erhöhte Plattform mit einem einfachen Schreibtisch, der mit Büchern bedeckt war… Hahnemann selbst saß in einem komfortablen Lehnstuhl zurückgelehnt an der Seite des Tisches.

Seine dünne und kleine Gestalt war in einem Schlafrock voller Blumen von reichem Materiale eingehüllt, der … sicher nach der neuesten Pariser Mode gemacht sein musste.“

Mélanie macht eine Anamnese und führt das Gespräch. Irgendwann kommt die Unterhaltung auf das Thema Deutschland:

„Sowie ich aber das Wort Deutschland ausgesprochen hatte, erheiterten sich seine Gesichtszüge, gleichsam als wäre ein Sonnenstrahl auf dieselben gefallen. Sie waren also in Deutschland, Sie sprechen gewiss Deutsch nicht wahr… Jetzt fing Hahnemann sofort an, in seiner Muttersprache mit mir sich zu unterhalten, indem er mich fragte, wie es mir in Deutschland gefallen habe, was ich vom deutschen Volke und dessen Gebräuchen halte etc. … Ich war so entzückt von der Lebhaftigkeit des Doktors, und dessen gefühlvollen Bemerkungen, dass ich den Gegenstand unserer Unterhaltung nicht ändern wollte…
Madame Hahnemann … machte schließlich unserer Unterhaltung ein Ende, indem sie ihrem Manne eine kleine Ermahnung gab, sich nicht zu sehr zu ermüden, bevor die Audienzstunden zuende gekommen seien.

Die Patientin erhält eine Arznei mit Einnahmevorschrift und beendet ihren Bericht:

„Ein Bedienter geleitete mich …zu meinem Fiacre, mit welchem ich nach Hause fuhr, indem ich an einer Reihe von Chaisen passierte, die sich von Hahnemanns Wohnung so weithin erstreckte, dass ich es nicht sagen mag, weil ich fürchte, man würde es mir nicht glauben.”

Einrichtung der Villa

Samuels Leben in der Rue de Milan spielt sich also in einem weitaus prächtigeren Rahmen ab als zuvor. Er hat drei Diener in Uniform, ein Kutscher lebt auf dem Anwesen. Der Torwärter hat Hausmeister­funktion, er ist zuständig für den Einlass und lebt mit seiner Familie im Torwärterhaus.

Seine Villa ist mit einer großen Gemäldesammlung eingerichtet:

Z.B. dieses Gemälde, eine Kopie der „Judith mit dem Haupt“ von Cristofano Allori hängt dort.

Tagesablauf

Samuel und Mélanies Sprechstunde dauert von 10 bis 16 Uhr. Mélanie behandelt ab 16 Uhr in einem anderen Zimmer die armen Patienten. Um 18 Uhr gibt es Essen. Abends machen sie Hausbesuche:

Dafür nutzen sie ihre Kutsche – bei den Pariser Straßenverhältnissen ein Muss.

Kollegentreffen Montagabends

Montagabends lädt Hahnemann Kollegen in sein Haus. Croserio erzählt:  

Der Homöopath Johann Josef Roth, seit 1831 einer der wenigen Dozenten für Homöopathie an einer deutschen Hochschule, besucht die Abende und hat sie in einem kleinen Tagebuch festgehalten:

Ein wichtiger Hinweis. In den klassischen Materia medica Werken von Kent, Clarke, Boger und in klinischen Leitfäden wird auf diese Pathologie von Mercurius kaum hingewiesen. Nur Margret Tyler schreibt:

Man sollte bei Lungenentzündung also auch an Mercurius denken. Nach meiner Erfahrung müssen die klassischen Nebensymptome von Mercurius wie starker Schweiß, Speichelfluss usw. nicht alle vorhanden sein.

Auch die Dosierung ist Thema in diesem Kollegentreffen. Roth berichtet:

In den letzten Jahrzehnten wurde viel Gewicht auf die Q-Potenzen gelegt. Die Pariser Krankenjournale zeigen, dass Hahnemann ab 1838 Q-Potenzen und parallel weiterhin bis an sein Lebensende 1843 aufgelöste C- Potenzen gegeben hat. In meiner Praxis wende ich dieses Verfahren auch bei chronischen Fällen mit sehr gutem Erfolg an.

Besuche von Kollegen

Ein weiterer Arzt, der Hahnemann in Paris besucht ist Johann Martin Honigberger aus Kronstadt. Hahnemann schickt ihn weiter an seinen früheren Köthener Assistenten Lehmann, der ihn in die Homöopathie einführt. Honigberger wandert nach dem indischen Subkontinent aus und führt die Homöopathie im heutigen Pakistan und Indien ein.

1837 hospitiert der französische Arzt Alexandre Chargé bei Hahnemann. 6 Jahre später wird er Präsident der Königlichen Medizinischen Akademie in Marsaille. Er gründet mehrere Zeitschriften und ist bis zu seinem Tod 1890 einer der einflussreichsten Homöopathen Frankreichs.
Die Beispiele zeigen, welchen Einfluss Hahnemanns Aufenthalt in Paris für die Verbreitung der Homöopathie gehabt hat!

Erfindung der Fotographie

Wir sind jetzt im Jahr 1838 und die Fotographie erfunden – natürlich in Paris. Sie sehen einen Boulevard, eine große Straße 3,5 km von Hahnemanns Villa. Es ist ein Morgen, die Sonne geht auf. Unten links im Bild sehen Sie den ersten Menschen, der es je auf ein Foto geschafft hat.

Hahnemanns Villa wurde 1899 abgerissen. Schauen Sie sich die Rue de Milan einmal an, wenn Sie nach Paris kommen. Der von ihm bewohnte Gebäude­komplex umfasst heute in der Rue de Milan die Gebäude Nummer 1 und 3 und in der Rue de Clichy die Nummern 29 und 31. Aus seiner Villa von 1837 sind also vier große Häuser geworden.

Besuch aus Deutschland

Am 10. August 1839 feiert Samuel sein 60-jähriges Doktorjubiläum. Es ist eines jener glänzenden Feste, die in der Rue de Milan gefeiert wurden. Und zum ersten Mal ist eine seiner Töchter zu Gast:

Amalie, von ihrem Vater „Malchen“ genannt, ist mit ihrem 12-jährigemSohn Leopold aus Köthen angereist.Begeistertschreibt sie an ihre Schwestern:

 „Der große Salon … war herrlich aufgeputzt mit den schönen Ölgemälden, welche Mütterchen verfertigt hat … Es brannten über 100 Wachslichter. … Die berühmte Clara Wieck, welche sich jetzt in Paris befindet, machte uns das Vergnügen uns ihr schönes Talent hören zu lassen. … Väterchen war überglücklich und blühte wie eine Rose. … Unter andern war … ein junger Arzt aus Lyon da, namens Mure, welcher ein vortreffliches Gedicht auf Väterchen gedichtet hatte. Er deklamierte es auch so herrlich, dass ich ganz tief bewegt war.“

Benoît Mure sorgt ein Jahr später dafür, dass sich die Homöopathie in Brasilien verbreitet. 1843 gründet er ein Ausbildungsinstitut für Ärzte und Laien in Rio de Janeiro.

Das sind Samuels im Jahr 1839 noch lebende Töchter. Amalie und ihr Sohn Leopold werden die einzigen bleiben, die Samuel und Mélanie in Paris besuchten. Der Kontakt mit seinen übrigen Töchtern beschränkt sich auf Glückwünsche zum Jahresanfang, Geburtstag oder zur Promotion. Samuel bedankt sich immer freundlich und kurz.

Friedrich List über Hahnemann

Unter den Gästen bei der Feier zum 60-jährigen Doktorjubiläum befindet sich auch der bedeutende Nationalökonom Friedrich List. Er würdigt das Ereignis in der Augsburger „Allgemeinen Zeitung“:

 „Fast von allen Nationen Europas ward der noch blühende, obschon 84jährige Greis beglückwünscht, zum Theil schriftlich, zumeist durch Repräsentanten. Man hörte fast in allen europäischen Zungen Gedichte deklamieren.

List bezeichnet ihn als einen der Söhne Deutschlands, …

Ende

Das sind die Ehrungen, die Anerkennung der Außenwelt. Im persönlichen Kontakt ist Hahnemann bescheiden, geradezu demütig. Das zeigt sich in dem Bericht des Zeitzeugen Johann Roth, mit dem ich meinen Vortrag schließe:

„… Hahnemann ist ein ganz einfacher Mann, er ist gar nicht stolz auf seine Entdeckungen; er sagt, es kommt alles von oben, von Gott; er betrachtet sich nur als Werkzeug. Hahnemann sagt, wir dürfen nicht stolz sein auf unser Wissen, wir müssen alle Tage noch lernen. …“

„Danksagung“

Meine Recherchen in Paris, Köthen, Meissen, Dresden, Genf und an anderen Orten wäre ohne die Anregung, Unterstützung und Mitarbeit von Kollegen, Freunden, Historikern und Mitarbeitern in Archiven nicht möglich gewesen. Alle haben Wichtiges zu den Forschungen über Samuel Hahnemanns Leben in Paris beigetragen. Mein besonderer Dank richtet sich an Dr. Olivier Rabanes, Dr. K.S. Srinivasan, Catherine Hannoyer, Prof. Dr. phil. Martin Dinges, Prof. Dr. Robert Jütte, Steffi Berg, Hendrickje Catriona Windisch, Gerlind Windisch, Albert Schmierer, Lukas Bruhin, Armelle Le Goff, Yvolene Le Maresquier, Bérengère de l’Epine, Philippe Grisoni, Martina Unser, M. Schwarzt, Stephan Nolte, Ilka Sommer, Daniel Kaiser, Prof. Ehrhard Hartung, Klaus Hartung von Hartungen, Helge Landmann, Melanie Aspey, Loïc Le Bail, Jean-Joël FINES, Dr. Corine Mure, Dr. Salima Mohr, Stefan Ratzel, Juliette Jestaz, Volker Beyrich, Judith Reynaud, Petra Dörfert, Peter Benkowitz, Erika Jung, Baron Lothar von Bönninghausen, Dr. phil. Manfred Pix, Ernst Burger, Gisela Schmeer, Tom Lauerwald, Anne Nierade, Anita Nebel, Dr. Guy Loutan, Gratienne Chatelain und Michel Roux-Dessarps.

Dr. med. Carl Rudolf Klinkenberg – Ettlingen, im Dezember 2018



Online PDF


Bookmark the permalink.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

Bitte vervollständigen Sie die Gleichung: * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.